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Richter kritisiert Grounding von A350 in Katar

Qatar Airways Airbus A350
Qatar Airways Airbus A350, © Qatar Airways

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LONDON - Katar liegt nach Einschätzung eines Londoner Richters mit dem A350-Grounding daneben. Katars Luftfahrtaufsicht könnte gleichwohl die Schlüsselrolle bei der Lösung der von Qatar Airways gegen Airbus angestrengten Milliardenklage zufallen. Ein Zwischenurteil skizziert wie.

David Waksman hatte schon einige Konzerne vor seiner Londoner Richterbank. Die juristische Materialschlacht in der Zivilsache Qatar Airways ./. Airbus sprengt nach Einschätzung des erfahrenen Richters inzwischen aber jeden vernünftigen Kostenrahmen.

Waksman ermutigte Airbus und Qatar Airways vergangene Woche daher erneut, es nochmal mit einer außergerichtlichen Einigung zu versuchen.

Nur wie? Das Tischtuch zwischen Airbus und Qatar Airways ist zerschnitten. Wegen Oberflächenschäden hält die Airline auf Weisung der katarischen Luftfahrtaufsicht QCAA derzeit 23 A350-900 und A350-1000 am Boden - und fordert dafür von Airbus Schadensersatz in Milliardenhöhe.

Airbus wittert eine Kampagne - und konnte vor Gericht zwei Teilerfolge erzielen. Die Stornierung eines A321neo-Auftrags von Qatar Airways durch den Hersteller ist rechtens. Und: Airbus darf Qatar Airways an vertraglichen Abnahmepflichten für neue A350-1000 festhalten.

Ausgangspunkt in der Konstruktion

Richter Waksman schmetterte alle von Qatar Airways gegen Airbus beantragen Verfügungen ab. Aus dem Schneider ist der Hersteller damit aber keineswegs. Waksman wertet die Oberflächenschäden nicht als kosmetischen Mangel, sondern vorortet den Ursprung des Problems in der Materialauswahl.

"Airbus hat in der Klageerwiderung selbst vorgetragen, dass der Fehler während der Lebensdauer einer A350 zwangsläufig auftreten muss", hält Waksman dem Hersteller in der Zwischenentscheidung vor. Das Dokument liegt aero.de vor.

Die "unterschiedlichen Ausdehnungskoeffizienten" zwischen dem faserverstärkten Verbundwerkstoff (CFK) der Flugzeugzelle und der Kupferfolienschicht (ECF) des Blitzschutzsystems bedeuten, "dass sich diese beiden Materialgruppen unterschiedlich schnell ausdehnen und zusammenziehen, was zumindest bei der A350 mit der Zeit zu Rissen in den darüber liegenden Lackschichten führt".

Die Schäden gehen damit zu Waksmans Überzeugung unmittelbar auf die "Konstruktion des Flugzeugs" zurück und seien für "drei oder vier Jahre alte Maschinen" eher untypisch. Nach dem Stand der Technik wäre der Fehler zur Überzeugung des Richters vermeidbar gewesen - immerhin sei das Vergleichsmodell Boeing 787 nicht für geplatzte Lackschichten bekannt.

Qatar Airways sieht sich zumindest in diesem Punkt durch das Gericht bestätigt. Die Chancen der Airline auf Schadensersatz dürften eher gestiegen sein.

"Proaktive Zusammenarbeit"

Das Grounding durch die QCAA geht Waksman allerdings zu weit. Wenn Airbus "als größter Flugzeugbauer der Welt" nachweisen kann, dass kein Lufttüchtigkeitsrisiko besteht, "sollte die QCAA beweglich genug sein, sich hiervon überzeugen zu lassen". Eine Aufhebung des Groundings liege auch im "kommerziellen Interesse" von Qatar Airways.

"Ich erwarte, dass Qatar und Airbus proaktiv zusammenarbeiten und versuchen, die QCAA davon zu überzeugen, dass ihr derzeitiger Ansatz falsch ist", gab Waksman den Parteien mit auf den Weg. Andernfalls, drohte der Richter durch die Blume, komme Qatar Airways ihrer Schadensminderungspflicht nicht nach.

Der Gedankengang ist clever. Eine "proaktive Zusammenarbeit" von Qatar Airways und Airbus vor der katarischen Luftfahrtaufsicht mit dem gemeinsamen Ziel einer Aufhebung des Groundings könnte Airbus und Qatar Airways wieder ein Stück aufeinander zu führen - und den Weg in einen für beide Seiten gesichtswahrenden Vergleich erleichtern.
© aero.de | Abb.: Qatar Airways | 01.06.2022 06:38

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Beitrag vom 01.06.2022 - 09:35 Uhr
Es bleibt aber dennoch die Frage offen, warum passiert solch ein Lackschaden den nicht bei der B787?

Hat jemand dafür eine pro fundierte Antwort???

Ja, passiert.

B787 hatte ebenso ein Problem mit dem Lack. Nur halt an anderen stellen.
Die B787 hat die tonnen, der Blitschutz ist über Kupferstreifen gelöst.

Airbus baut den Rumpf aus Panelen auf einem Rahmen und löst den Blitzschutz über das Mesh. ist einfach eine andere Konstruktion.

Ich verstehe das Thema nicht, hätte Qatar nicht die Reperatur verweigert, es wäre ok gewesen.
Wobei man Airbus schon vorwerfen kann, das sie die Definition einens Problems am Mesh geändert haben während der Reperatur.

Danke fuer die Erklärung.
Beitrag vom 01.06.2022 - 09:32 Uhr
Es bleibt aber dennoch die Frage offen, warum passiert solch ein Lackschaden den nicht bei der B787?

Hat jemand dafür eine pro fundierte Antwort???

Ja, passiert.

B787 hatte ebenso ein Problem mit dem Lack. Nur halt an anderen stellen.
Die B787 hat die tonnen, der Blitschutz ist über Kupferstreifen gelöst.

Airbus baut den Rumpf aus Panelen auf einem Rahmen und löst den Blitzschutz über das Mesh. ist einfach eine andere Konstruktion.

Ich verstehe das Thema nicht, hätte Qatar nicht die Reperatur verweigert, es wäre ok gewesen.
Wobei man Airbus schon vorwerfen kann, das sie die Definition einens Problems am Mesh geändert haben während der Reperatur.
Beitrag vom 01.06.2022 - 09:23 Uhr
Es bleibt aber dennoch die Frage offen, warum passiert solch ein Lackschaden den nicht bei der B787?

Hat jemand dafür eine pro fundierte Antwort???


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