Streit mit Qatar Airways
Älter als 7 Tage

Airbus verlangt Aufklärung über 185 Millionen US-Dollar

Qatar Airways Airbus A350-1000
Qatar Airways Airbus A350-1000, © Airbus

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LONDON - Das Tischtuch zwischen Airbus und Qatar Airways ist zerschnitten. Die Airline fordert rund zwei Milliarden US-Dollar Schadensersatz wegen der Oberflächenproblematik an einigen A350. In dem Prozess wirft Airbus eine weitere Frage auf: Was wurde eigentlich aus unseren 185 Millionen US-Dollar?

Im Sommer 2023 kommt es zwischen Airbus und Qatar Airways zum Showdown: Ein Gericht in London wird ab Juni zunächst die Haftung für Rissbildung im A350-Lack klären. In einem Folgeprozess sollen gegenseitige Forderungen verhandelt werden.

Das ist das Ergebnis eines aktuellen Gerichtstermins. Qatar Airways hat 29 ihrer 53 A350-900 und A350-1000 auf Geheiß der katarischen Luftfahrtaufsicht QCAA wegen brüchiger Lackstellen dauergegroundet - und fordert inzwischen rund zwei Milliarden US-Dollar vom Hersteller.

Der wehrt sich entschieden. Laut Airbus bauscht Qatar Airways den Schaden auf, verschanzt sich hinter der QCAA - und verweigert jede Reparaturlösung.

A350 neigen zu vorzeitiger Rissbildung im Lack. Die Ursache ist aus dem Prozess bekannt: Wegen unterschiedlicher Ausdehnungskoeffizienten arbeiten CFK-Segmente der Flugzeugzelle und die blitzableitende Kupferfolie unter dem Lack gegeneinander.

Das Problem betraf auch andere A350-Betreiber, außer in Katar hegten in keinem anderen Land Behörden Vorbehalte gegen die Fehlerkorrektur durch Airbus.

Die EASA hatte sich im September 2021 in Doha ein eigenes Bild vom Zustand der gegroundeten A350 gemacht. Das Expertenteam habe dabei einen "verschlechterten Lackzustand" festgestellt, hege aber "keine Zweifel an der Lufttüchtigkeit der A350", hatte die EASA gegenüber aero.de unmittelbar nach der Visite mitgeteilt.

Der zweite Punkt ist für die Verteidigungsstrategie von Airbus wichtig - für per se lufttüchtige A350 hat Qatar Airways keinen Anspruch auf Schadensersatz.

Airbus hat die laufende Geschäftsbeziehung zu Qatar Airways auf das notwendige Minimum heruntergedreht. Der Hersteller hat 2022 alle offenen Qatar-Positionen über 50 A321neo und 19 A350-900 storniert - und fordert wegen geplatzter Auslieferungen seinerseits 220 Millionen US-Dollar von der Airline.

Fünf für Qatar Airways gebaute A350-1000 parken in Toulouse und Chateauroux - Airbus sucht für die Flugzeuge neue Abnehmer.

Millionenzahlungen an katarische Fonds

Im Prozess setzen die Airbus-Anwälte Nadelstiche: Airbus verlangt Aufklärung über die Verwendung von 185 Millionen US-Dollar, die der Hersteller zwischen 2007 und 2009 als Teil der A350-Aufträge in Form von "Kaufanreizen" an drei katarische Fonds überwiesen hatte. Mit dem Geld sollte der Ausbau der Luftfahrtindustrie in Katar gefördert werden.

Jetzt wundert man sich bei Airbus, in welche Projekte die Mittel konkret geflossen sind. Qatar Airways hat dazu laut Medienberichten bisher keine näheren Angaben gemacht, aber eine zweckbestimmte Verwendung versichert.
© aero.de | Abb.: Airbus | 25.12.2022 08:45

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Beitrag vom 28.12.2022 - 16:13 Uhr
Der Blitzschutz kann seine Funktion nicht erfüllen, wenn der sich aufgrund seines Designs zerlegt. Mit einer Lackierung ist das nicht getan, wie Airbus und die EASA das behaupten, denn dieses Design wird zu einer Dauerbaustelle! – Das Thema Ausdehnungskoeffizienten betrifft nicht nur den Lack sondern auch das Mesh mit der CFK-Struktur!

Soweit bekannt hat sich ja nciht der Blitzschutz zerlegt, sondern die darüberliegende Schutzlackierung ist teilweise abgeplatzt. Mir ist jetzt nicht ersichtlich, wieso ausgerechnet die Leitfähigkeit der Kupferbahnen durch dünnere oder meinetwegen sogar ganz fehlende Lackschichten reduziert sein soll.

Und Ihre Ausführung über den nicht korrekt erfolgten Test des Blitzschutzes dürfte wohl dem Stammtisch entsprungen sein. Echte Ingenieure wissen jedenfalls, daß jedes technische Produkt oder Verfahren seine Limits hat und es kein einziges ohne gibt. Entscheidend ist nur, daß der Betrieb innerhalb des Limits erfolgt. Nur Biertischspezialisten wissen bereits vorher was andere erst durch Erfahrung lernen. Folgte man Ihren Forderungen, hätte auch kein einziges Flugzeug je gebaut werden dürfen, die sind anfangs ja alle abgestürzt und bewiesen, daß die Dinger nicht fliegen können. Never, gell?
Beitrag vom 27.12.2022 - 21:05 Uhr
A350 neigen zu vorzeitiger Rissbildung im Lack. Die Ursache ist aus dem Prozess bekannt: Wegen unterschiedlicher Ausdehnungskoeffizienten arbeiten CFK-Segmente der Flugzeugzelle und die blitzableitende Kupferfolie unter dem Lack gegeneinander.


Dieses A350 Design dieser Blitzschutz-Konstruktion mit diesem Cu-Mesh kann niemals korrekt getestet worden sein, wenn jetzt solche grundlegenden Kleinigkeiten öffentlich mitgeteilt werden müssen! Das mussten alles die Tests in den Klima- und Druckkammern schon zeigen. - wenn man denn auch die Luftfeuchte berücksichtigt.

Der Blitzschutz kann seine Funktion nicht erfüllen, wenn der sich aufgrund seines Designs zerlegt. Mit einer Lackierung ist das nicht getan, wie Airbus und die EASA das behaupten, denn dieses Design wird zu einer Dauerbaustelle! – Das Thema Ausdehnungskoeffizienten betrifft nicht nur den Lack sondern auch das Mesh mit der CFK-Struktur!


Zum Artikel:
das kann ja noch eine lustige Geschichte werden. Ich glaube Mr.A.B. hat sich da in eine ziemlich dumme Situation manövriert.


Das wird ganz sicher eine sehr unangenehme Sache werden, wenn man die Spezialisten nicht eingesetzt hat, die man für dieses Material braucht und diese speziellen Themen braucht!
Das Reparatur-Thema war anfangs ungeklärt und da sind noch ganz andere Themen in diesen Fliegern versteckt, die auch bald aufpoppen werden.

Beitrag vom 25.12.2022 - 12:38 Uhr
Zuerst einmal:
allen Forist.innen ein wunderschönes (Rest)Weihnachtsfest - friedlich, entspannt und erholsam.

Zum Artikel:
das kann ja noch eine lustige Geschichte werden. Ich glaube Mr.A.B. hat sich da in eine ziemlich dumme Situation manövriert.

Es ist ja absehbar das der "Ersatz" (Boeing) höchstwahrscheinlich nicht pünktlich (wenn überhaupt) liefern kann/wird und ob die qualitativen Versprechungen alle eingehalten werden können ist ja auch noch nicht sicher.

Bin gespannt wie das ausgeht.

Btw.
Kann die "Aufklärungsforderung" von AB bzgl. des Verbleibs der 185 Millionen nicht eventuell ein Eigentor werden, so ala "Bestechung"!?


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