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Frankreichs Regierungs-A340 sind jetzt wohl im Iran

Französische A340
Französische A340-200, © Anna Zvereva, CCBYSA

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PARIS - Ende Dezember 2020 versteigerte Frankreichs Regierung ihre beiden ausrangierten Airbus A340-200. Die Vierstrahler wechselten für insgesamt 880.000 Euro den Eigentümer - und verschwanden dann von der Bildfläche. Jetzt tauchten beide wieder auf. Aber vorerst nur kurz.

Für den (unbekannten) Käufer waren die zwei Vierstrahler aus Frankreich seinerzeit ein Schnäppchen: 400.000 Euro für den einen, 440.000 für den anderen.

Zwar hatte die französische Regierung den Startpreis der Auktion für ihre beiden A340-200 pro Stück gar bei nur 80.000 Euro festgesetzt, aber zwei flugbereite Großraumjets für unter eine Million Euro bekommt man nun auch nicht an jeder Ecke hinterhergeworfen.

Nicht ganz klar war allerdings, wohin das Schicksal die Flugzeuge nach der Auktion führen würde. Der Pariser Flughafen Charles-de-Gaulle, an dem sie geparkt waren, wollte sie nach der Versteigerung möglichst schnell vom Hof haben. Im März 2021 wurden sie deshalb zunächst nach Châteauroux in Zentralfrankreich überführt.

Die Überführung und weitere Betreuung der Jets wurde organisiert von der Wartungsfirma LMO Aero. In Châteauroux blieben die A340 ein gutes Jahr. Dann ging es für sie nach Indonesien: Die erste A340 (F-RAJA) flog am 10. April 2022 zum Kertajati International Airport auf Java, die Schwestermaschine F-RAJB folgte am 19. Mai 2022.

Beide traten ihre Flüge mit neuen Kennzeichen an: die F-RAJA als F-HFDD und die F-RAJB mit der Kennung F-HLMG.

Malischen Kennzeichen

Ein gutes Jahr lang hörte man wieder nichts von den Französinnen - bis ihre Transponder-Signale gestern auf "Flightradar24" dem Luftfahrt-Blogger Gerjon ins Auge stachen. Auf einem Screenshot vom 23. Mai, den der Blogger via Twitter teilte, sieht man beide A340 in trauter Eintracht von Indonesien aus mit unbekanntem Ziel nach Nordwesten fliegen - allerdings tragen sie nun Registrierungen aus Mali: TZ-DTA und TZ-DTC.

Nach Afrika dürfte sie ihr Weg gleichwohl nicht geführt haben. Stattdessen scheinen sie auf dem Screenshot zielstrebig Richtung Iran zu fliegen. Gerjon fing die Maschinen in Reiseflughöhe über Indien ein - kurz darauf verschwanden die Transponder-Signale wieder. Mit ihnen verlor sich auch die Spur der A340 fürs Erste wieder. Ob sie bald in Teheran auftauchen?

Über Umwege nach Teheran

Es wäre nicht das erste Mal, dass sich der von westlichen Sanktionen geplagte Iran über Umwege mit "neuen" Passagierflugzeugen eindeckt. Erst Ende des vergangenen Jahres landeten vier ehemalige Turkish Airlines-A340 im Rahmen einer ähnlichen Aktion aus Johannesburg kommend im Iran und stehen seither am Teheraner Flughafen Mehrabad.

Den Überführungsflug aus Südafrika hatten sie mit Kennzeichen aus Burkina Faso angetreten. Vor wenigen Wochen sagte der Chef der iranischen Luftfahrtbehörde Mohammadi Bakhsh gegenüber der Nachrichtenagentur IRNA, dass der Iran in den vergangenen 18 Monaten auf Umwegen 50 Flugzeuge und Helikopter beschafft habe. Davon seien 20 bereits an iranische Airlines übergeben worden.

Bald dürften es also noch einmal zwei mehr sein. Ob der Iran die französischen A340-200 tatsächlich wieder abheben lässt, wird sich jedoch noch zeigen müssen. Beide Maschinen sind Baujahr 1995 und haben rund 70.000 Flugstunden auf dem Buckel, davon ein großer Teil als Truppentransporter für die französische Armee. Gut möglich, dass sie in Zukunft als Teilespender für andere, jüngere A340 herhalten müssen.
© FLUG REVUE - Patrick Zwerger | Abb.: Anna Zvereva, CCBYSA | 28.05.2023 08:03


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