Badr Mohammed Al-Meer
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Bei Qatar Airways ist es Zeit für einen Wogenglätter

Badr Mohammed Al-Meer
Badr Mohammed Al-Meer, © Qatar Airways

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DOHA - Akbar Al-Baker tritt aus dem Rampenlicht. Nach 27 Jahren verlässt der Überchef Qatar Airways - und das überraschend sang- und klanglos. Am 5. November übernimmt Badr Mohammed Al-Meer. Wer ist der neue Mann an der Spitze einer der größten Interkontairlines der Welt?

Wettbewerber? - "Alle Blech!" Gewerkschaften? - "Gibt es bei uns nicht!" Frauen in Führungspositionen? - ...

Akbar Al-Baker ruderte fast nie zurück, vor fünf Jahren dann aber doch. Freimütig hatte der Chef von Qatar Airways einem Reporter in den Block diktiert, dass eine Frau seinen Job "selbstverständlich" nicht machen könnte: "Eine Airline muss von einem Mann geführt werden, das ist eine sehr anspruchsvolle Tätigkeit."

Der Sturm der Entrüstung war vorprogrammiert. Al-Baker versuchte, das Gesagte einzufangen, sponsorte IATA Diversity Awards - und sagte schließlich, dass er sich "freuen würde", wenn eine Frau eines Tages seine Nachfolge antritt. Dazu kommt es nicht, Qatar Airways wird weiter von einem Vorstandschef geführt.

Badr Mohammed Al-Meer übernimmt die Leitung der Airline am 5. November. Über die Hintergründe des Chefwechsels macht Qatar Airways keine Angaben.

Die knappe Pressemitteilung erkennt die "herausragenden Dienste" von Al-Baker an - immerhin hat Al-Baker seit 1997 aus einem Flugbetrieb mit einer Handvoll A310 und 747 die nach angebotenen Sitzkilometern größte Langstreckenairline der Welt aufgebaut. Angesichts dessen eigentlich erwartbare Dankesformeln sucht man in der Mitteilung aber vergebens.

Mit Al-Meer übernimmt ein versierter Manager die Leitung der Airline in einer sensiblen Phase. Der in Beirut und Colorado ausgebildete Ingenieur sorgt seit 2014 als Betriebsvorstand für reibungslose operative Abläufe am Qatar-Airways-Drehkreuz Doha Hamad International.

Die Rolle passt zu Qatar Airways: Al-Baker hatte mindestens ein Auge immer auf dem operativen Geschäft. Jedes neue Flugzeug unterzog Al-Baker in der Kabine einer persönlichen - und peniblen - Qualitätskontrolle. Selbst auf Spezialmessen wie der "Inter Airport" - einer Ausstellung für Abfertigungsgerät - war Al-Baker höchstselbst anzutreffen.

In operativer Hinsicht findet Al-Meer bei Qatar Airways ein entsprechend geordnetes Haus vor. Qatar Airways setzt angesichts hoher Nachfrage inzwischen sogar ihre Airbus A380 wieder ein, die Al-Baker schon als glatten Fehlkauf abgestempelt, abgeschrieben und abgestellt hatte.

Al-Meer muss sich auf andere Baustellen konzentrieren - und dürfte dabei die Bälle einige Meter flacher halten als sein Vorgänger.

Airbus-Fehde und Marktzugang

Denn Al-Baker galt nicht nur als streitbar, sondern auch als durchaus streitaffin. Zuletzt hatte Al-Baker eine Fehde mit Airbus um Platzer an A350-Rumpfbeschichtungen - und eine Milliardenklage gegen den Hersteller - angezettelt. Airbus wehrte sich entschieden gegen "abwertende Äußerungen" des Qatar-Airways-Chefs.

Jenseits aller Sticheleinen, die Airbus und Boeing über die Jahre hinnahmen, hatte Al-Baker nach Ansicht von Airbus eine Grenze überschritten: Zweifel an der generellen Flugsicherheit der A350 durch "Falschdarstellungen" der A350-Mängel wollte Airbus eben nicht unkommentiert im Raum stehen lassen.

Letztlich legten die Parteien den Rechtsstreit per Vergleich bei - nachdem das Thema bereits zum Politikum zwischen Paris und Doha eskaliert war. Al-Baker wollte den Prozess eigentlich durchziehen, hatte sich letztlich aber verrannt.

Zwar hat Airbus alle zwischenzeitlich vom Hersteller stornierten Aufträge von Qatar Airways wieder hergestellt. Komplett gekittet ist die Geschäftsbeziehung laut Kreisen aber längst noch nicht. Unter einem neuen Chef wird ein Neustart zumindest einfacher.

Das gilt auch für die internationale Regierungsarbeit: Qatar Airways ist weltweit auf liberale Einflug- und Streckenrechte angewiesen. So soll das Luftverkehrabkommen zwischen der EU und Katar Qatar Airways zu erweitertem Marktzugang in der EU verhelfen - trifft in vielen EU-Staaten zwischen aber auf große Vorbehalte.

"Wir haben kein Interesse daran, unsere Drehkreuze zu schwächen", hatte sich Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) jüngst in der "WirtschaftsWoche" für eine restriktivere Handhabung von Verkehrsrechten ausgesprochen. In Australien beißt Qatar Airways mit Anträgen auf zusätzliche Flugrechte gerade auf Granit.

Al-Baker ging Wettbewerbsfragen eher hemdsärmelig an. Als Delta in den USA eine Allianz aus Airlines und Fluggewerkschaften gegen zu weitreichende Flugrechte für Qatar Airways schmiedete, knallte Al-Baker dem Konkurrenten vor eigener Kulisse in Atlanta schon mal eine A380 vor den Latz.

Al-Meer dürfte diplomatischer agieren. Am Flughafen Doha koordinierte Al-Meer den Betrieb ebenso effektiv wie geräuschlos.
© aero.de | Abb.: Airbus | 24.10.2023 11:21


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