Extreme Auflagen
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EU-Kommission torpediert den Lufthansa-Einstieg bei ITA

ITA Airways Airbus A330-900
ITA Airways Airbus A330-900, © Airbus

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BRÜSSEL - Die EU-Kommission eröffnet Lufthansa und Italien einen neuen Katalog mit möglichen Kartellauflagen für den Lufthansa-Einstieg bei ITA Airways. Die Liste hat es in sich. Nach Medieninformationen herrscht nach einem Treffen "Irritation und Frustration". Wird der Deal von schwer erfüllbaren Auflagen unterspült?

Zwischen Lufthansa und ITA Airways steht Margrethe Vestager. Die EU-Wettbewerbskommissarin hat die Prüfphase für den Lufthansa-Einstieg bei ITA Airways am 23. Januar bis 6. Juni verlängert.

Am 7. Februar lud die Vestager-Behörde Vertreter von Lufthansa und italienischem Finanzministerium zum ersten Austauschtermin im Phase-2-Verfahren. Das Datum könnte den Kipppunkt im Verfahren markieren.

Nach Informationen der Tageszeitung "Corriere Della Sera" hat die EU-Kommission Lufthansa und Italien mit einem Katalog neuer Auflagen überrascht. Insider berichten der Zeitung über "Irritation und Frustation" im Lufthansa- und ITA-Lager nach dem Termin.

Lufthansa hatte zuletzt Gesprächsbereitschaft über Slots in Mailand-Linate signalisiert - das ist der EU-Kommission zu wenig. Brüssel pocht auch auf "Problemstrecken" im Interkontnetz auf Einschnitte. Das betrifft unter anderem die Linien aus Rom nach New York, Washington und San Francisco.

Nach dem neuen Dossier soll hier nicht nur ITA Federn lassen, sondern auch der Lufthansa-Joint-Venture-Partner United Airlines den profitabelsten Teil seines Interkontgeschäfts aus Rom an Wettbewerber freigeben.

Nach Daten des US-Verkehrsministeriums entfielen zuletzt rund 28 Prozent der Passagierströme zwischen Italien und Nordamerika auf Lufthansa und ITA. Im Joint Venture A++ steuern United weitere 14 Prozent und Air Canada nochmal 2 Prozent Marktanteil bei.

Lufthansa, ITA und United sollen nicht nur Strecken räumen. Von Lufthansa werde zudem verlangt, Konkurrenten für bis zu fünf Jahre mit Codeshareflügen, der Übernahme von Abfertigungsentgelten und Anbindung an das eigene Vielfliegerprogramm den Markteintritt zu erleichtern, schreibt "Corriere Della Sera" weiter.

Vergleichbare Starthilfe für einen Konkurrenten hat die EU-Kommission gerade Korean Air im Bewilligungsbescheid für die Übernahme von Asiana Airlines abverlangt: Korean Air wird T'way Air beim Aufbau von Linien aus Seoul nach Frankfurt, Rom, Barcelona und Paris unterstützen.

Teilverkauf von Lufthansa Technik

Die EU-Kommission pocht laut "Corriere Della Sera" zudem auf einen Teilverkauf von Lufthansa Technik. Lufthansa hatte einen Anteilsverkauf zwar selbst in Betracht gezogen, will das ertragreiche Technikgeschäft inzwischen aber lieber komplett behalten. Eine Kehrtwende wäre Aktionären hier kaum plausibel zu vermitteln.

Interkontnetz, United-Strecken, Starthilfen für die Konkurrenz, Lufthansa Technik: Will Brüssel den Lufthansa-ITA-Deal unter einer Lawine von Auflagen begraben?

"Man gewinnt den Eindruck, dass die EU-Kommission nicht den Mut hat, den Zusammenschluss zu blockieren, und alles daran setzt, Lufthansa - ein börsennotiertes Unternehmen und den Aktionären gegenüber rechenschaftspflichtig - zu drängen, entweder extreme Opfer zu bringen oder die Vereinbarung aufzugeben", sagte ein Insider der Zeitung.

Lufthansa und das italienische Finanzministerium wollten sich gegenüber der Zeitung nicht zum aktuellen Stand des Verfahrens äußern.
© aero.de | Abb.: Airbus | 21.02.2024 13:01

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Beitrag vom 24.02.2024 - 13:04 Uhr
Ich frage mich nur, mit welcher Begründung von Frau Verstager, ein Teilverkauf der LHT auf diese Liste auftaucht? Erscheint mir absolut nicht plausibel [...]

Stimme zu.
Hat die ITA eventuell ebenfalls eine am freien Markt agierende Techniksparte mit nennenswertem Marktanteil?
Das wäre eine zumindest halbwegs logische Begründung, wie diese Forderung zustande kam.
Anmerkung: Per Google finde ich da nichts zu, ist also nicht sehr wahrscheinlich ...
Beitrag vom 24.02.2024 - 12:24 Uhr
Gut, es gab ja bereits wieder Gespräche zwischen Gianluigi Aponte, Eigentümer von MSC, und der italienischen Regierungschefin Giorgia Meloni um einen „Plan B“.

Denke das wird wohl eher wahrscheinlich als IAG oder AF/KLM.

Ich frage mich nur, mit welcher Begründung von Frau Verstager, ein Teilverkauf der LHT auf diese Liste auftaucht? Erscheint mir absolut nicht plausibel und ist so beispiellos in der Geschichte von Fusionen und Übernahmen in der Luftfahrtbranche.

Korrigiert mich da gerne


Ja, AF/KLM greift sich nur „ein Teil“ von SAS, vorerst. Aber wer glaubt, dass es dabei in Zukunft belassen wird und man eine komplette Übernahme nicht anstrebt, ist auf dem Holzweg.
Beitrag vom 23.02.2024 - 18:11 Uhr
Die EU die EU die EU tut zwar groß und wichtig aber hat fast garnichts zu entscheiden. Bei den großen Themen Währungs-, Migrations- und Sicherheitspolitik sowieso nicht aber auch in warum auch immer (z.B. aus Prestigegründen) wichtigen Detailfragen.


Frankreich hat die ITA-Übernahme verhindert und Scholz hat es mindestens geschehen lassen wenn nicht gar gutgeheißen.

Ich tippe eher auf letzteres da Scholz öffentlich verkündet hat die Übernahme zu unterstützen und im Merkelschen Mafia-Sprech heißt das so viel wie die Lufthansa ist zum Abschuss freigegeben.

OMG🙄🫣


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