Kontstrategie
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Lufthansa-Piloten geben Cityline noch nicht verloren

Lufthansa Cityline
Lufthansa Cityline, © A. Mohl

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MÜNCHEN - City Airlines umwirbt Cityline-Piloten: Lufthansa hat im Crewportal ein konkretes Wechselangebot zur neuen Kontplattform hinterlegt. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit sieht Klärungs- und Tarifierungsbedarf bei City Airlines - und gibt Cityline noch nicht verloren.

Lufthansa setzt die Kontstrategie hinter der Mainline einmal neu auf: City Airlines übernimmt ab Monatsende Strecken im Deutschland- und Europanetz aus München, 2025 teilt Lufthansa den Zu- und Abbringer auch für Flüge aus Frankfurt ein.

Hauptgrund für den Neustart: Lufthansa fällt bei Cityline durch die Kündigung der sogenannten Perspektivvereinbarung übernächstes Jahr in alte Tarifregeln zurück - das über Jahrezehnte gewachsene Geflecht ist dem Konzern zu sperrig.

"Die größeren Flugzeuge mit mehr als 95 Sitzen können in Zukunft aufgrund der Tarifvertragsbeschränkung (...) nicht mehr eingesetzt werden", verteidigte Lufthansa-Chef Carsten Spohr laut "aeroTelegraph" nun den Austausch der Kontplattformen. "Deshalb brauchen wir einen Ersatz für Lufthansa Cityline."

Die Äußerungen des Lufthansa-Chefs seien "stark verkürzt und sinnentstellend", reagierte die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit in dieser Woche. Schließlich habe die Gewerkschaft Lufthansa "mehrfach angeboten, die sogenannte 95-Sitze-Regelung (...) anzupassen".

Die neue Plattform geht unterdessen auf Personalsuche - auch bei Cityline. City Airlines hat im Crewportal nach Informationen von aero.de ein Wechselangebot für Cityline-Crews hinterlegt.

Lufthansa setzt "Lufthansa City" nicht als plumpe Cityline-Kopie in Szene. Die Airline kann 2025 mit "acht bis neun" werksneuen A320neo rechnen, warb City-Airlines-Chef Jens Fehlinger diese Woche. Eine A320neo muss Cityline der neuen Konzernschwester bereits zum Betriebsstart überlassen.

Ab 2026 stoßen 40 Airbus A220-300 - ebenfalls brandneu und in hohem Takt - zu City Airlines. Lufthansa hat noch 20 A220-Optionen in der Hinterhand. Auch diese Flugzeuge sind für City Airlines vorgemerkt.

Perspektivisch kann die neue Plattform laut Lufthansa mit bis zu 80 Flugzeugen mehrere Nummern größer ausfallen als Cityline mit tariflich begrenzter Flottenstruktur und -stärke.

City Airlines wird zwar die Grundlast im Zu- und Abbringersystem in München und Frankfurt schultern. Daneben soll die Airline laut Fehlinger aber auch mehr "am europäischen Markt" teilnehmen - ein eigenes Standbein auf der Kurzstrecke birgt Wachstumspotenzial - und damit auch Karrierechancen.

Denn beim Wechsel zu City Airlines entfällt laut Cockpit die bei Cityline erworbene Seniorität. "Der Zähler wird wieder auf null gestellt", kritisiert die Gewerkschaft in einem Rundschreiben, das aero.de vorliegt. Eine frische Senioritätsliste könnte einige Piloten aber gerade zum Übertritt zu City Airlines motivieren.

Der Lufthansa-Vorstand, der sich im Juli neu formieren wird, rückt nach prozentual zweistelligen Gehaltsrunden im gesamten Konzern das Thema Produktivität in den Mittelpunkt. "Ohne ganz erhebliche Produktivitätssteigerungen wird es nicht gehen", stimmte Spohr Stakeholder bereits auf entprechende Maßnahmenpakete ein.

"Nahe am gesetzlichen Minimum"

Bei City Airlines kann Lufthansa auf einem weißen Blatt Papier planen, vorerst gibt die Airline die Konditionen alleine vor. "Die Arbeitsbedingungen sind offensichtlich sehr nahe am gesetzlichen Minimum", kommentierte die Vereinigung Cockpit das Wechselangebot. "Dies bedeutet eine erheblich höhere Arbeitsbelastung."

Das Wechselangebot sei im Vorfeld nicht mit Cockpit angestimmt worden, kritisiert die Pilotenvertretung in dem Rundschreiben weiter. Cockpit drängt auf einen "Wechsel auf geordneter Basis in eine tarifierte City Airlines", so richtig warm wird die Gewerkschaft mit der neuen Plattform aber nicht.

In einer Aussendung zweifelte Cockpit diese Woche offen an, "ob und inwiefern der Betrieb der Neugründung unter der Marke Lufthansa City Airlines in Zukunft in Ansehung der bestehenden tariflichen Vereinbarungen überhaupt zulässig ist". Das lässt sich durchaus als Drohung interpretieren.

Entlang der Kontstratgie droht Lufthansa und Piloten ein neuer Richtungsstreit - zumal Cockpit den eigenen Vorschlag einer "modernisierten Cityline als Ausgangspunkt für die neue Kontplattform" noch nicht verwerfen will.
© aero.de | Abb.: Lufthansa | 14.06.2024 09:35

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Beitrag vom 15.06.2024 - 12:00 Uhr
Was sollte die „Gelbe Ausweis“-Flottille Ihrer Meinung nach machen? Mit der GTK hat man erste Schritte gesetzt, das gilt es nun fortzuführen, das VC Präsidium hat sich eben erst neu konstituiert.
Der Arbeitgeber hat ja City lange bewusst aus allen Verhandlungen rausgehalten, erst hieß es man legt das Projekt vorerst auf Eis, hat im Hintergrund aber kräftig weiter dran gearbeitet. Die deutsche Rechtsprechung ermöglicht ja das ständige Ausflaggen ohne Beachtung geltender Tarifverträge (s. „SunExpress-Urteil“). Wo man früher versucht hat, bspw. durch Flottenzusagen sozusagen das eigene Revier abzustecken, obliegt es doch nunmehr dem Management für einen sinnvollen Einsatz der Maschinen und Personal zu sorgen. Das Gehalt ist halt nur eine Kennziffer davon, sieht man sich u.A. die Produktivität an, sieht das ganze etwas anders aus, von den internen Stützungen bei den Kosten ganz zu schweigen. Aber das führt denke ich zu weit. Ich kenne jedenfalls viele gewechselte Kollegen von Condor, GWI,… die sehr, sagen wir mal, erstaunt über das Arbeitspensum und die knackigen Dienstpläne bei LHA waren.

Zur anderen Seite der Medaille gehört halt auch, dass die ganzen anderen Betriebe sich nicht permanent von der Karotte vor der Nase verführen lassen dürfen. Wenn man sich jedes Mal kaufen lässt scheitert die Zusammenarbeit genauso, wie wenn die Mainline glaubt, sie wären nach wie vor die Einzigen.
Beitrag vom 15.06.2024 - 08:23 Uhr
Ganz ehrlich? Wann kapieren die Kollegen endlich, dass der Spohr dem "Teile & Herrsche" - Prinzip folgt? Diesem gegeneinander aufwiegeln kann nur ein gemeinsames Aufstehen helfen und man kippt Öl ins Feuer, wenn man seine eigenen, firmeninternen Pfründe sichern will. Da sind die USA oder Skandinavien um Lichtjahre weiter als in Deutschland, was den gewerkschaftlichen Zusammenhalt betrifft und das wissen die Verantwortlichen sehr gut zu nutzen. In genannten Ländern gibt es Gewerkschaften die wirklich firmenübergreifend arbeiten (können), da man dort erkannt hat, worum es wirklich geht. Nicht um irgendwelche Einstellungstests und das mit verbundene Ego (kann ich sagen, da ich auch diesen unsäglichen DLR-Mist hab), sondern darum, dass man sich nur selber schadet, wenn man die Kollegen aussen vor lässt. So ist es extrem einfach für die Verantwortlichen die Belegschaft gegeneinander auszuspielen - genau das passiert jetzt. Anstatt unerwartet zu mit Offenheit zu reagieren, reagiert das Gros der "Gelben Ausweis"-Flottille ganz genau so, wie der Spohr es erwartet hat - er kennt sie ja nur zu gut. Aber was red ich, bringt doch eh nix.

Schön zusammengefasst, genau so ist es!
Beitrag vom 15.06.2024 - 08:01 Uhr
Ganz ehrlich? Wann kapieren die Kollegen endlich, dass der Spohr dem "Teile & Herrsche" - Prinzip folgt? Diesem gegeneinander aufwiegeln kann nur ein gemeinsames Aufstehen helfen und man kippt Öl ins Feuer, wenn man seine eigenen, firmeninternen Pfründe sichern will. Da sind die USA oder Skandinavien um Lichtjahre weiter als in Deutschland, was den gewerkschaftlichen Zusammenhalt betrifft und das wissen die Verantwortlichen sehr gut zu nutzen. In genannten Ländern gibt es Gewerkschaften die wirklich firmenübergreifend arbeiten (können), da man dort erkannt hat, worum es wirklich geht. Nicht um irgendwelche Einstellungstests und das mit verbundene Ego (kann ich sagen, da ich auch diesen unsäglichen DLR-Mist hab), sondern darum, dass man sich nur selber schadet, wenn man die Kollegen aussen vor lässt. So ist es extrem einfach für die Verantwortlichen die Belegschaft gegeneinander auszuspielen - genau das passiert jetzt. Anstatt unerwartet zu mit Offenheit zu reagieren, reagiert das Gros der "Gelben Ausweis"-Flottille ganz genau so, wie der Spohr es erwartet hat - er kennt sie ja nur zu gut. Aber was red ich, bringt doch eh nix.


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