FRANKFURT - Kontakte zwischen Lufthansa und der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit bringen vorerst keinen Durchbruch im aktuellen Tarifstreit. Nach Informationen von aero.de kommt ein zunächst von beiden Seiten angestrebtes Verhandlungsformat erstmal nicht zustande.
Lufthansa und Cockpit finden im Tarifstreit um Betriebsrenten für die 4.800 Pilotinnen und Piloten der Lufthansa-Kerngesellschaften vorerst keinen gemeinsamen Nenner.
Nach Information von aero.de sollten Sondierungen in einem "geschlossenen Raum" münden, Verhandlungen also unter strikter Vertraulichkeit geführt werden.
Das Format kommt zumindest für den Moment nicht zustande. Lufthansa und Cockpit konnten sich laut Kreisen zwar auf eine Verschwiegenheitsklausel, nicht aber auf eine sogenannte "Nichtverwendbarkeitsklausel" einigen.
Ohne diese Klausel könnten Inhalte den geschlossenen Raum doch verlassen - und in etwaigen Gerichtsverfahren später ausgeschlachtet werden, sagten zwei mit der Sache vertraute Personen aero.de. Für die Gewerkschaft sei das ein No-Go.
"Unsere bisherigen Sondierungsgespräche mit der VC verliefen konstruktiv", sagte ein Lufthansa-Sprecher aero.de am Dienstag in Frankfurt. "Diese wollen wir nutzen, um wieder in einen Verhandlungsmodus mit der VC zu kommen." Die Vereinigung Cockpit lehnte eine Stellungnahme ab.
Die Gewerkschaft hält seit einer Ursabstimmung ein Streikmandat in der Hand. Die Pilotengewerkschaft will bei Lufthansa erhebliche Verbesserungen der Betriebsrenten erreichen. Die Piloten würden zwar weiter das Zinsrisiko bei Anlagen tragen, fordern aber bis zu dreifach höherere Einzahlungen des Arbeitgebers in die Fonds.
Laut einer Modellrechnung sollen die Arbeitgeberleistungen zur Betriebrente für einen Piloten mit 10.000 Euro Grundgehalt und 3.000 Euro Zulagen pro Monat von derzeit rund 800 auf rund 2.600 Euro steigen.
Die Gewerkschaft will zudem eine Extraeinzahlung Ende 2025 in Höhe eines Monatsgrundgehalts sowie eine Bonuseinzahlung von 1.000 Euro pro Jahr für Cockpit-Mitglieder durchsetzen.
Lufthansa: Piloten-Forderungen "nicht bezahlbar"Lufthansa sieht dafür wenig bis keinen Spielraum. "Die derzeitige Forderung der VC bedeutet aber einen jährlichen Kostenanstieg für die betriebliche Altersversorgung der Lufthansa Classic Cockpitmitarbeitenden auf 228 Millionen Euro",
sagte Lufthansa-Airlines-Vorstand Jens Ritter. "Das wäre mehr als eine Verdoppelung."
Lufthansa schreibt im Passagiergeschäft der Kranichairline hohe Verluste, die ebenfalls dem Kern zugerechnete Lufthansa Cargo erzielt hingegen Gewinne.
"Die Erfüllung dieser Forderung wäre nicht nur unverantwortlich für unsere Airline, sondern schlichtweg nicht bezahlbar", sagte Ritter. "Dann bliebe keine Alternative, als weitere Flugzeuge in profitablere Flugbetriebe zu verlagern."
© aero.de | Abb.: Lufthansa | 21.10.2025 13:26
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Beitrag vom 22.10.2025 - 17:52 Uhr
Insgesamt eine sehr interessante Situation.
Es wurden gerade in den letzten Jahren schwerwiegende Fehlentscheidungen im LAC getroffen. Die Rentabilität sowie das Wachstum der ganzen Group fällt gegenüber der transatlantischen Peergroup ab.
Es braucht schon enorme Chuzpe in diesem Kontext auf das operative Personal zu zeigen.
Wenn Sie sich mit „TURNAROUND“ beschäftigen würden, wüssten Sie, dass man maximal mit dem kleinen Finger auf das operative Personal zeigt. Die anderen Finger zeigen in andere Richtungen.
Beitrag vom 22.10.2025 - 16:15 Uhr
Insgesamt eine sehr interessante Situation.
Es wurden gerade in den letzten Jahren schwerwiegende Fehlentscheidungen im LAC getroffen. Die Rentabilität sowie das Wachstum der ganzen Group fällt gegenüber der transatlantischen Peergroup ab.
Es braucht schon enorme Chuzpe in diesem Kontext auf das operative Personal zu zeigen.
Beitrag vom 22.10.2025 - 16:13 Uhr
An der allgemeinen geopolitischen Lage, an den diversen Kriegen, an den vielen anderen Krisen, an der allgemeinen wirtschaftlichen Lage gerade in D... und ... und... Oder ignorieren Sie das Alles?
Keineswegs, wie kommen Sie darauf? Sie nehmen also freigewählte Ereignisse als Referenz, um Verhalten zu ändern. Mich wundert nur, dass Sie an anderer Stelle sagen „ Und von daher wird 2019 glorifiziert.... und als Maßstab aller wirtschaftlichen Dinge genommen.“ Das ist doch auch nur eine frei gewählte Referenz. Bei der aktuell hohen Krisendichte ist vielleicht 2019 ohne große Krise als Referenz gut geeignet. Man muss ja auch schauen, wo steht man im Wettbewerb, wie gehen andere mit Krisen um, wie funktionieren deren Lösungen?
Ich verstehe Sie nicht so ganz. Haben sich seit 2019 die Dinge auf der Welt und in der Wirtschaft verändert oder nicht? Und frei gewählt ist die Summe der Ereignisse keinesfalls, seit 2019 haben sich die Krisen eben gehäuft. Und warum sollten - auf den Flugverkehr in D bezogen - sich die Dinge und Verhältnisse nicht geändert haben. LH schreibt rote Zahlen. aber VC tut so, als ob alles noch so ist wie 2017/2019.
Ich glaube nicht, dass sie das tun. Aber das wäre ein eigenes Thema.
Sicher haben sich die Dinge verändert und man wird darauf reagieren müssen. Manche haben das besser gemacht als andere. Damit man analysieren kann, ob das was man gemacht hat erfolgreich war oder nicht, oder sogar hätte besser gelingen können (müssen), braucht es einen Referenzpunkt um das bewerten zu können. In vielen Branchen hat man dafür 2019 gewählt, weil es da einen für viele gleichen Zustand, ohne größere Störungen, gegeben hat. Danach fingen die ganzen Krisen an und manche Branchen/Länder sind von den einzelnen Krisen unterschiedlich betroffen und/oder gehen unterschiedllich damit um. Das macht das Vergleichen schwerer.
Wenn man sich nun mit anderen vergleicht und feststellt wo diese stehen, dann kann man ggfls. Handlungsfelder identifizieren. Diese Referenzen sich wichtig, um eine Situation beurteilen zu können. Klar, es ist schön, wenn MUC diesen Sommer erfolgreich war, erfolgreicher als letzten Sommer (auch eine Referenz). Aber in Europa (Referenz) war man noch erfolgreicher, unter dem Strich ist der Abstand nicht kleiner, sondern größer, geworden. Das gehört zur Wahrheit auch dazu.
Was die Piloten betrifft, die wissen schon was los ist. Im aktuellen Tarifkonflikt spielt wahnsinnig viel rein, mehr als nur die Betriebsrenten. Auch die Piloten haben sich ihre eigenen Referenzen gesucht, um ihre Situation zu bewerten. Für mich eher riskant, aber mich betrifft es nicht (mehr), daher beobachte ich das ganz entspannt.
Dieser Beitrag wurde am 22.10.2025 16:16 Uhr bearbeitet.
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Es wurden gerade in den letzten Jahren schwerwiegende Fehlentscheidungen im LAC getroffen. Die Rentabilität sowie das Wachstum der ganzen Group fällt gegenüber der transatlantischen Peergroup ab.
Es braucht schon enorme Chuzpe in diesem Kontext auf das operative Personal zu zeigen.
Wenn Sie sich mit „TURNAROUND“ beschäftigen würden, wüssten Sie, dass man maximal mit dem kleinen Finger auf das operative Personal zeigt. Die anderen Finger zeigen in andere Richtungen.
Es wurden gerade in den letzten Jahren schwerwiegende Fehlentscheidungen im LAC getroffen. Die Rentabilität sowie das Wachstum der ganzen Group fällt gegenüber der transatlantischen Peergroup ab.
Es braucht schon enorme Chuzpe in diesem Kontext auf das operative Personal zu zeigen.
Keineswegs, wie kommen Sie darauf? Sie nehmen also freigewählte Ereignisse als Referenz, um Verhalten zu ändern. Mich wundert nur, dass Sie an anderer Stelle sagen „ Und von daher wird 2019 glorifiziert.... und als Maßstab aller wirtschaftlichen Dinge genommen.“ Das ist doch auch nur eine frei gewählte Referenz. Bei der aktuell hohen Krisendichte ist vielleicht 2019 ohne große Krise als Referenz gut geeignet. Man muss ja auch schauen, wo steht man im Wettbewerb, wie gehen andere mit Krisen um, wie funktionieren deren Lösungen?
Ich verstehe Sie nicht so ganz. Haben sich seit 2019 die Dinge auf der Welt und in der Wirtschaft verändert oder nicht? Und frei gewählt ist die Summe der Ereignisse keinesfalls, seit 2019 haben sich die Krisen eben gehäuft. Und warum sollten - auf den Flugverkehr in D bezogen - sich die Dinge und Verhältnisse nicht geändert haben. LH schreibt rote Zahlen. aber VC tut so, als ob alles noch so ist wie 2017/2019.
Ich glaube nicht, dass sie das tun. Aber das wäre ein eigenes Thema.
Sicher haben sich die Dinge verändert und man wird darauf reagieren müssen. Manche haben das besser gemacht als andere. Damit man analysieren kann, ob das was man gemacht hat erfolgreich war oder nicht, oder sogar hätte besser gelingen können (müssen), braucht es einen Referenzpunkt um das bewerten zu können. In vielen Branchen hat man dafür 2019 gewählt, weil es da einen für viele gleichen Zustand, ohne größere Störungen, gegeben hat. Danach fingen die ganzen Krisen an und manche Branchen/Länder sind von den einzelnen Krisen unterschiedlich betroffen und/oder gehen unterschiedllich damit um. Das macht das Vergleichen schwerer.
Wenn man sich nun mit anderen vergleicht und feststellt wo diese stehen, dann kann man ggfls. Handlungsfelder identifizieren. Diese Referenzen sich wichtig, um eine Situation beurteilen zu können. Klar, es ist schön, wenn MUC diesen Sommer erfolgreich war, erfolgreicher als letzten Sommer (auch eine Referenz). Aber in Europa (Referenz) war man noch erfolgreicher, unter dem Strich ist der Abstand nicht kleiner, sondern größer, geworden. Das gehört zur Wahrheit auch dazu.
Was die Piloten betrifft, die wissen schon was los ist. Im aktuellen Tarifkonflikt spielt wahnsinnig viel rein, mehr als nur die Betriebsrenten. Auch die Piloten haben sich ihre eigenen Referenzen gesucht, um ihre Situation zu bewerten. Für mich eher riskant, aber mich betrifft es nicht (mehr), daher beobachte ich das ganz entspannt.
Dieser Beitrag wurde am 22.10.2025 16:16 Uhr bearbeitet.