Dauerkonflikt
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Warum Lufthansa Cockpit den Streikgrund nicht abkauft

Lufthansa Airbus A350-900 in Frankfurt
Lufthansa Airbus A350-900 in Frankfurt, © Lufthansa

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FRANKFURT - Zehn Jahre liegt die letzte Frontalkollision zwischen Lufthansa und der Vereinigung Cockpit zurück. Am Donnerstag bestreiken die Piloten der Kernmarken Lufthansa und Lufthansa Cargo alle Abflüge in Deutschland. Aufhänger ist ein offener Tarifvertrag zu Betriebsrenten. Das tarifliche Themenspektrum reicht darüber hinaus.

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit ruft für Donnerstag, 12. Februar, zum Streik bei Lufthansa und Lufthansa Cargo auf. Betroffen sind alle deutschen Abflüge.

Die Piloten fordern höhere Lufthansa-Einzahlungen in die betriebliche Altervorsorge, bAV. "2017 wurde das System komplett umgestellt von einer garantierten Auszahlungssumme auf eine garantierte Einzahlungssumme", kreiste Cockpit-Versorgungsexperte Harald Cizaire die Ausgangslage des aktuellen Tarifkonflikts 2025 im GTK-Podcast ein.

Das Zinsrisiko ging damit vom Konzern auf die Piloten über. Unter dem Strich fahren die Piloten damit schlechter, beklagt Cockpit im Rückblick. Am "kapitalmarktorientierten System" will die Gewerkschaft zwar festhalten, fordert aber deutlich höhere Beitragsleistungen.

"Bei einem Grundgehalt von 10.000 Euro und 3.000 Euro Zulagen (...) zahlt der Arbeitgeber aktuell rund 820 Euro in die bAV", hatte Cockpit GTK-Sprecher Arne Karstens im gleichen Podcast eine Beispielrechnung aufgemacht. Die VC-Forderung laufe damit auf "circa 1.800 Euro mehr im Monat" hinaus.

Lufthansa hat die Kosten auf 228 Millionen Euro pro Jahr hochgerechnet - zu viel für den Konzern. "Wir haben nicht ansatzweise das Geld für eine weitere Verbesserung der ohnehin schon sehr guten betrieblichen Altersvorsorge", sagte Lufthansa Airlines-Chef Jens Ritter. "Wir haben bei der Lufthansa Classic ein massives Profitabilitätsproblem, insbesondere durch den Kurzstreckenbetrieb."

Lufthansa Airlines steuert mit einer Vielzahl an Teilprojekten unter Flagge des "Turnaround"-Programms gegen.

Turnaround hat strukturelle Sprengkraft für das Cockpit-Tarifgefüge: Lufthansa will in der Flotte künftig asynchron wachsen - die Zahl der Großraumflugzeuge soll steigen, die Stärke der Kontflotte unverändert bleiben. Im Kontverkehr will Lufthansa das Angebot nur noch über größere Flugzeuge wie den Airbus A321neo ausbauen.

Die Piloten der Lufthansa-Kerngesellschaften bangen auf lange Sicht um hochtarifierte Cockpitjobs in der Kontflotte.

Lufthansa hatte den Konzernpiloten 2017 - nach einem heftigen Tarifkonflikt mit sechs Streiktagen im Vorjahr - über die sogenannte Perspektivvereinbarung (PPV) eine Flottenuntergrenze von 325 Flugzeugen im Kerntarif garantiert, die Vereinbarung Ende 2021 aber wieder gekündigt.

Die PPV-Flottenzusage war ebenso schlank wie konkret: 103 Interkont- und 174 Kontflugzeuge bei Lufthansa, zehn Frachter bei Lufthansa Cargo und 38 Maschinen bei Germanwings - in Summe: 325 Maschinen. Germanwings gibt es inzwischen nicht mehr, auch das AOC hat Lufthansa gerade abgemeldet.

Die Kündigung der PPV setzte einen trägen Tarifmechanismus in Gang. Lufthansa und Cockpit fallen stufenweise auf die Basis des Konzerntarifvertrags (KTV) zurück. Die Flottenzusage löst sich also nicht in Luft auf, Lufthansa konnte aber ab 2022 einen Sinkflug einleiten. Genau das macht Lufthansa seither.

Der intern auch "Abschmelzungsphase" genannte Prozess sah zunächst einen Abbau von 23 Kontflugzeugen in grob gleichen Schritten zwischen 2022 und 2027 vor. "2027 sind wir wieder genau dort, wo wir 2017 losgelaufen sind, nämlich im KTV", heißt es in einem internen Cockpit-Schreiben aus dem Jahr 2024, das aero.de vorliegt.

Laut Cockpit blutet die Kernflotte auf dem Weg dahin allerdings sehr viel schneller - und mehr - aus als nach Lesart der Gewerkschaft zulässig wäre. Im Dezember 2025 hatte Cockpit deswegen ein Schiedsgerichtsverfahren gegen Lufthansa eingeleitet.

Lufthansa sieht Laufbahnperspektiven als eigentlichen Brennpunkt im Dauerkonflikt mit den Piloten. In den Lufthansa-Cockpits herrsche "wenig Sorge" über ohnehin gute Betriebsrenten, sagte Lufthansa-Konzernchef Carsten Spohr im Oktober 2025 in Frankfurt. "Aber es herrscht große Sorge über Zukunftsperspektiven und Wachstumsperspektiven."

Lufthansa sei bereit über "Zusagen" bei "Flugzeugen, Einstellungen und der Anzahl von Kapitänsstellen" zu verhandeln, sofern im Gegenzug der "Kostennachteil" der Lufthansa Classic gesenkt werde.

"Weiterreichende Themenfelder"

Ganz falsch liegt Spohr mit der Einschätzung sicher nicht. Denn eigentlich war die Pilotengewerkschaft zu den Betriebsrenten schon seit September 2025 nach einer erfolgreichen Urabstimmung startklar zum Streik.

"Doch dann öffnete sich ein Fenster für Gespräche auch zu anderen Themen", erklärte Cockpit-Präsident Andreas Pinheiro Ende Oktober 2025 den vorläufigen Streikverzicht. "Diesmal auch zu weiterreichenden Themenfeldern, etwa den Perspektiven bei der CityLine, der Tarifierung von Lufthansa City Airlines und Discover sowie der Zukunft und Bedeutung der Lufthansa Passage."

Nach Streikrecht ist ein Arbeitskampf für höhere Betriebsrenten sauber. Cockpit schien im Herbst 2025 aber für einen kurzen Moment bereit, den "TV Rente" in einer Gesamtlösung unterzupflügen - das kreiden Gewerkschaftsinsider der Cockpit-Spitze bis heute als strategischen Fehler an.

Zumindest Zeitdruck hatte Lufthansa in den Runden mit Cockpit bisher nicht. Seit 2023 gilt der aktuelle Vergütungstarifvertrag (VTV). Der war mit 18 Prozent Tabellenplus zwar teuer erkauft, läuft aber bis Ende 2026. Der Manteltarifvertrag (MTV) mit den Dienstregeln gilt sogar noch ein Jahr länger. Den PPV-Streit hatten Lufthansa und Cockpit 2023 zurückgestellt.
© aero.de | Abb.: Lufthansa | 11.02.2026 09:53

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Beitrag vom 12.02.2026 - 23:50 Uhr

Waren Sie einmal bei Treffen der Tarifkommision von VC und LH dabei, oder haben Sie Infos aus erster Hand, wie das so abläuft? Andernfalls sollten Sie sich vielleicht kein Urteil darüber erlauben, wer dort was fordert, oder wie so etwas tatsächlich abläuft und wer etwas wie und warum blockiert.
Das ist doch an sich egal: fest steht, es kam zu keiner Lösung. Beide Seiten verweisen auf die jeweils andere. Und je nachdem zu welcher Seite man sich eher "hingezogen" wird, wird man den jeweiligen Statements Glauben schenken oder nicht.>

Glauben ist allenfalls etwas für die Kirche. Der Wahrheitsgehalt von Informationen etwas anderes und als nicht Beteiligter an den Gesprächen auch nicht objektiv beurteilbar. Allein daher ist die Meinungsbildung unbeteiliger eher zweifelhaft.

>Und selbst darum geht es nur am Rande: das Verhalten der VC zeugt angesichts der ökonomischen Rahmendaten von Realitätsverweigerung. Es geht nur noch darum, die Kuh zu melken solange sie noch lebt. Und dann?>
Die VC hat vermutlich aufgrund Ihrer Vertretung im Aufsichtsrat einen besseren Einblick in die Bücher und die Gesamtsituation, als jeder andere Außenstehende mit dem Einblick in die veröffentlichten Bilanzen. Und wenn man Niggemann und seinen Vorgängern hätte Glauben schenken wollen, liegt die Lufthansa seit 30 Jahren auf der Intensivstation. Alternativ, falls die Kuh dann doch stirbt, gibt es eine neue Kuh, da wäre ich ganz zuversichtlich.
Beitrag vom 12.02.2026 - 22:10 Uhr

Waren Sie einmal bei Treffen der Tarifkommision von VC und LH dabei, oder haben Sie Infos aus erster Hand, wie das so abl?uft? Andernfalls sollten Sie sich vielleicht kein Urteil dar?ber erlauben, wer dort was fordert, oder wie so etwas tats?chlich abl?uft und wer etwas wie und warum blockiert.
Das ist doch an sich egal: fest steht, es kam zu keiner L?sung. Beide Seiten verweisen auf die jeweils andere. Und je nachdem zu welcher Seite man sich eher "hingezogen" wird, wird man den jeweiligen Statements Glauben schenken oder nicht. Und selbst darum geht es nur am Rande: das Verhalten der VC zeugt angesichts der ?konomischen Rahmendaten von Realit?tsverweigerung. Es geht nur noch darum, die Kuh zu melken solange sie noch lebt. Und dann?

Das mit der 'Realit?tsverweigerung' ist Ihre Darstellung/Einsch?tzung, von einen 'nur PAX', also ohne jeglichen Einblick in die inneren Zusammenh?nge. Ziemlich forsch Ihr 'Aburteilen' der Piloten.
Warum ersetzen Sie Argumente durch pers?nliche Herabw?rdigung? Und wie kommen Sie darauf, dass mir jeglicher Einblick fehlt? Sie haben nat?rlich den absoluten Ein- und Durchblick? Ich habe niemanden "abgeurteilt", ich verweise lediglich auf die ?konomischen Realit?ten. Dazu finden Sie Beitr?ge auch von mir in den anderen Threads zum Thema.. suchen und lesen hilft.

Herabw?rdigung? Aus Ihren Profil:
"einfach nur Pax... kein Pilot Nürnberg".

Oder arbeiten Sie doch bei/f?r LH?

Wo schrieb ich bitte das ich "den absoluten Ein- und Durchblick" habe? Eine Behauptung Ihrerseits ohne jegliche Substanz.
Jetzt wird es aber richtig wirr, geht es Ihnen auch gut? Bisher hatten Ihre Beiträge in der Regel etwas mehr Substanz. @A320fam: ich geben Ihnen vollkommen recht: einfach bescheuert, diese Diskussion und vor allem der Stil. Over.
Beitrag vom 12.02.2026 - 18:26 Uhr
Was ne bescheuerte Dikussion hier mittlerweile ...


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