VC und Ufo
Älter als 7 Tage

Lufthansa-Crews gehen am Donnerstag in den Streik

Lufthansa Airbus A350-900
Lufthansa Airbus A350-900, © Lufthansa

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FRANKFURT - Passagiere der Lufthansa müssen an diesem Donnerstag mit Flugausfällen und Verspätungen rechnen. Grund sind gleichzeitige Arbeitskampfmaßnahmen der Piloten und Flugbegleiter über den ganzen Tag. Bestreikt werden sollen sämtliche Starts ab Deutschland. Auch Frachtflüge sind betroffen.

Das genaue Ausmaß der Ausfälle war zunächst unbekannt. Man warte auf genauere Informationen von Seiten der Gewerkschaft, erklärte ein Sprecher des Unternehmens.

Die Lufthansa kritisierte die "extrem kurzfristige Ankündigung der Gewerkschaften", die Fluggäste "extrem hart und unverhältnismäßig" treffe. "Tragfähige Lösungen können nur im Dialog gefunden werden, Streiks müssen stets das letzte Mittel bleiben", so der Sprecher der Airline. "Wir fordern die Gewerkschaften deshalb auf, die Gespräche mit uns wieder aufzunehmen."

Aufgerufen haben die Gewerkschaften Vereinigung Cockpit für die Piloten und die Kabinengewerkschaft Ufo für die Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter. Offiziell streiken die Piloten für höhere Arbeitgeberbeiträge zu den Betriebs- und Übergangsrenten. Hierzu liegt schon seit dem Herbst eine Urabstimmung der Mitglieder vor, die mit Mehrheit für Arbeitskampfmaßnahmen gestimmt haben.

Bis 2017 erhielten Pilotinnen und Piloten eine klassische Betriebsrente mit garantierten Auszahlungen. Seither gilt ein kapitalmarktfinanziertes Modell, das laut Cockpit "das frühere Versorgungsniveau deutlich verfehlt.

Sieben Verhandlungsrunden blieben ohne Ergebnis. "Zu keinem Zeitpunkt lag ein Angebot der Arbeitgeberseite vor, dass unser Anliegen in irgendeiner Weise aufgegriffen hätte", sagte Arne Karstens, Sprecher der Group-Tarifkommission* (GTK). Auch ein letztes Vermittlungsangebot der VC sei ohne Reaktion geblieben.

"Wir haben der Arbeitgeberseite vorgeschlagen, den Tarifvertrag zur Altersversorgung befristet bis zum 31.12.2026 fortzuführen, verbunden mit beispielsweise Anpassungen der Anlagestrategie", sagte Karstens. "Dieses Angebot lag deutlich unterhalb unserer urabgestimmten Forderungen. Dennoch ließ das Management auch diese gesetzte Frist verstreichen."

In einer Beispielrechnung hatte Cockpit die Forderung 2025 auf einen Zusatzbeitrag von 1.800 Euro pro Monat für einen Musterpiloten umgebrochen. Lufthansa hatte die Cockpit-Forderungen auf 228 Millionen Euro pro Jahr hochgerechnet - und als "schlichtweg nicht bezahlbar" zurückgewiesen. 

Ufo will ohne Urabstimmung mit einem Warnstreik Verhandlungen zu Tarifverträgen bei der Kerngesellschaft Lufthansa und der Regionaltochter Cityline erzwingen.

Allein dort seien wegen der Konzernstrategie rund 800 Jobs bedroht. Ufo will hier einen tariflichen Sozialplan. Laut einem Mitgliederrundschreiben würden Verhandlungen vom Management verweigert. Bei der Kerngesellschaft warte man bislang vergeblich auf Verhandlungen zum Manteltarifvertrag.

Harte Linie des Vorstands

Unter den Schlagworten "Produktivität" und "Flexibilität" verlange Lufthansa weiter tarifliche Verschlechterungen, die sich unmittelbar auf die Arbeitsbelastung und die ohnehin stark eingeschränkte Planbarkeit des Privatlebens auswirken würden, kritisiert Ufo-Tarifexperte Harry Jaeger. Gleichzeitig verweigere der Arbeitgeber jede ernsthafte Diskussion über Schutzmechanismen, mit denen die Kabinenbeschäftigten vor den Folgen des vom Konzern eingeschlagenen Kurses abgesichert werden könnten.

Gemeint ist hier die Konzernstrategie, mit neuen Flugbetrieben die etablierten Betriebsteile unter Druck zu setzen. Der Vorstand hat vor wenigen Jahren die Flugbetriebe Lufthansa City Airlines und Discover mit dem erklärten Ziel gegründet, dort zu kostengünstigeren Tarifbedingungen zu fliegen. Dies gelingt vor allem, weil dort die Crews weniger verdienen. Laut Lufthansa-Chef Carsten Spohr kann im Konzern Wachstum nur dort stattfinden, wo Geld verdient wird.

City Airlines soll Cityline ersetzen

Am Dienstag hatte der Lufthansa-Konzern bekanntgegeben, dass die neue Gesellschaft City Airlines nun erstmals auch das Drehkreuz Frankfurt bedient. Bis zum Herbst soll die Flotte am Rhein-Main-Flughafen auf sieben Flugzeuge vom Typ Airbus A320 mit der neuesten Triebwerksgeneration wachsen. Bislang sind 13 Flugzeuge der 2024 gegründeten Plattform am zweiten Drehkreuz in München stationiert.

Für Passagiere ist kaum zu erkennen, mit welcher Gesellschaft sie fliegen, weil City Airlines voll in den Lufthansa-Flugplan integriert ist und auch keine eigenen Tickets verkauft. Ein ähnliches Konzept verfolgt der Konzern bei der Tochter Discover, die auch Fernflüge anbietet. Hier hat die Konkurrenzgewerkschaft Verdi Tarifverträge für Kabine und Cockpit abgeschlossen.

Für das Wachstum der 100-prozentigen Tochter stellt der Konzern in Frankfurt neu ein. 60 Kräfte seien bereits gewonnen, die Einstellung von 280 weiteren Beschäftigten sei geplant. Aktuell beschäftigt die Airline rund 450 Menschen.
© dpa, aero.de | Abb.: Lufthansa | 10.02.2026 19:12

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Beitrag vom 13.02.2026 - 12:29 Uhr
Ändert aber nichts daran, dass dort offensichtlich tatsächlich verhandelt wird, Kompromisse gefunden werden, ohne mit einer Verweigerungshaltung in Verhandlungen zu gehen. Letztlich wird dort offensichtlich gut bezahlt, Streiks sind daher eher unwahrscheinlich und darum ging es im Kern der Aussage, wobei die Zahlen lediglich Beiwerk waren, um dies zu begründen.
Das mag stimmen, dass in den USA offensichtlich pragmatischer verhandelt wird – aber man sollte auch sehen, dass Lufthansa-Piloten schon heute zu den bestbezahlten weltweit zählen. Ein Kapitän auf Langstrecke liegt mit seinen Bezügen deutlich über dem, was vergleichbare Airlines zahlen, auch wenn die Gehälter in den USA zuletzt kräftig gestiegen sind.>
Da liegen Sie leider vollkommen falsch, aber da sind sie nicht alleine, falls das tröstet. Bei den Nachbarn in NL wird bei der KLM gleiches verdient, bei besserer Altersversorgung. Bei der Air France verdient man zunächst scheinbar weniger, bezogen auf die dafür geleisteten Flugstunden, die weniger sind aber auch so viel. Wenn wir nach Asienschauen, ist es auch eher mehr und in den USA ist man quasi "out of the world". Die Liste läst sich fortsetzen. insofern sehr gut verdienen ja, aber andere tun das auch und besser.

Es geht nicht um unzureichende Bezahlung, sondern um Alterversorgung.

Keiner hat behauptet, dass es um existentielle Sorgen geht und Verständnis wird zumindest von einem Großteil der Piloten kaum erwartet, wie ich vernehme, sondern von Ihnen unterstellt. Und wenn eine GW so etwas artikuliert, ist das genau so eine Standardphrase, wie die von LH Niggemann und seiner Entrüstung über einen überflüssigen Streik. Könnte man sich auch sparen. Leider ist ein Streik die einzige Möglichkeit ein Ergebnis in Verhandlungen zu versuchen zu erreichen, wenn sich der Gesprächspartner Verhandlungen verweigert, die oberhalb seiner Ausgangsposition liegen. Letztlich ist dies auch ein Schritt um sich irgendwann auf einen Schlichter zu verständigen und so vielleicht ein Ergebnis zu erreichen, dass dann wieder " an der Grenze des absolut Möglichen liegt und beiden Seiten soo weh tut". Hatten wir alles in den letzten Jahrzehnten oft genug. Zwischendurch werden dann halt lieber nochmals mittlere dreistellige Millionenbeträge im Streik verbrannt. Aber das kenn Sie sicher auch alles.

Dieser Beitrag wurde am 14.02.2026 03:35 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 13.02.2026 - 09:39 Uhr
Ändert aber nichts daran, dass dort offensichtlich tatsächlich verhandelt wird, Kompromisse gefunden werden, ohne mit einer Verweigerungshaltung in Verhandlungen zu gehen. Letztlich wird dort offensichtlich gut bezahlt, Streiks sind daher eher unwahrscheinlich und darum ging es im Kern der Aussage, wobei die Zahlen lediglich Beiwerk waren, um dies zu begründen.
Das mag stimmen, dass in den USA offensichtlich pragmatischer verhandelt wird – aber man sollte auch sehen, dass Lufthansa-Piloten schon heute zu den bestbezahlten weltweit zählen. Ein Kapitän auf Langstrecke liegt mit seinen Bezügen deutlich über dem, was vergleichbare Airlines zahlen, auch wenn die Gehälter in den USA zuletzt kräftig gestiegen sind. Wenn hier also von „unzureichender Bezahlung“ gesprochen wird, wirkt das wenig glaubwürdig. In Wahrheit geht es weniger um existenzielle Sorgen als um Besitzstandswahrung auf sehr hohem Niveau – und das sollte man im Hinterkopf behalten, bevor man Vergleiche zieht oder Verständnis für ständige Streikandrohungen fordert
Beitrag vom 13.02.2026 - 00:07 Uhr
Faktenbasiert mag das richtig sein, dann muss man allerdings am Rande auch mal hinterfragen wieso. Bei SIA haben alle Beschäftigten z.B. im Jahr 2023 6,65 Gehälter als Bonus erhalten plus 1,5 Gehälter für die Arbeit während Covid. Im Jahr 2024 waren es dann 7,94 Gehälter und 2025 7,45 Gehälter. Da wird Streik tatsächlich zum total überflüssigen Luxus. Bei American haben die FB Ende 2024 eine 20,5% Gehaltssteigerung verhandeln können plus weiterer Steigerungen in den nächsten 5 Jahren von weiteren
12,25%. Bei United gab es 2023 im Cockpit bis zu 40% mehr Bares plus Freizeitmodelle und Urlaub. Auch da würde ich die gefühlte Streiknotwendigkeit in der nächsten Zeit als eher gering einschätzen. Insofern, ja, mit denen fliegen, da sollte demnächst nichts zu erwarten sein.
Wenn sich allerdings eine Lufthansa selbst Verhandlungen verweigert, muss sie sich über Streik nicht wundern und dann muss der Kunde sich eine andere Reiseoption suchen. Auch das ist ein Teil des Streikrisikos für das Unternehmen, den es zu Bedenken gilt, wenn man sich Verhandlungen verweigert, die nicht auf irgendeinen Kompromiss hinaus laufen. Offensichtlich hat es den bei AA und United sogar auf sehr hohem Niveau gegeben.
Die genannten Zahlen zu Singapore Airlines, American Airlines und United sind im Kern zutreffend, benötigen jedoch Einordnung.
Bei SIA handelte es sich um außergewöhnlich hohe, gewinnabhängige Bonuszahlungen nach Rekordgewinnen. In den USA wurden deutliche, tabellenwirksame Gehaltserhöhungen vereinbart – allerdings nach längeren Verhandlungen und unter entsprechendem gewerkschaftlichem Druck, aber ohne Streiks.

Im Vergleich dazu bewegt sich Lufthansa in einem anderen regulatorischen und wettbewerblichen Umfeld. Zudem gab es auch dort in den vergangenen Tarifrunden spürbare Gehaltssteigerungen, wenn auch nicht in der genannten Größenordnung einzelner US-Abschlüsse (wobei die Lebenshaltungskosten in den USA über 30% höher liegen als in Deutschland).



Ändert aber nichts daran, dass dort offensichtlich tatsächlich verhandelt wird, Kompromisse gefunden werden, ohne mit einer Verweigerungshaltung in Verhandlungen zu gehen. Letztlich wird dort offensichtlich gut bezahlt, Streiks sind daher eher unwahrscheinlich und darum ging es im Kern der Aussage, wobei die Zahlen lediglich Beiwerk waren, um dies zu begründen.


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