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Air Baltic unterzieht sich einer Chapter-11-Insolvenz. Ein entsprechendes Verfahren sei "freiwillig" bei einem Gericht in New York angemeldet worden, teilte Air Baltic am Montag mit.
Ziel sei die Sanierung der Finanzen. "Air Baltic wird dieses Verfahren nutzen, um ihren finanziellen Verpflichtungen nachzukommen und eine nachhaltigere Kapitalstruktur zu schaffen", erklärte Air Baltic.
Auf der Fluggesellschaft lasten enorme Schulden. Der Airline liegen nach eigenen Angaben inzwischen aber neue Finanzierungszusagen über 350 Millionen Euro von Banken und Anleihegläubigern vor, "die Liquidität im Chapter-11-Verfahren sicherstellen und den laufenden Betriebs gewährleisten".
Air Baltic muss die neuen Schulden effektiv mit rund 12 Prozent verzinsen. Das ist kaum weniger als eine laufende 380-Millionen-Euro-Anleihe mit einem Zinscoupon von 14 Prozent, die Air Baltic gerade neu verhandeln will.
Hierzu steht am Dienstag ein weiterer Termin mit den Gläubigern an. Die sehen sich durch die Chapter-11-Insolvenz mit neuen Tatsachen konfrontiert.
Air-Baltic-Anleihe implodiert
Der Kurs der erst 2024 mit fünf Jahren Laufzeit begebenen Anleihe brach nach der Chapter-11-Nachricht am Montag um mehr als 20 Prozent ein. Der Bond ist seit März 2026 von knapp über 100 Prozent auf nur noch 7,5 Prozent seines Nominalwerts abgestürzt.
Air Baltic ist infolge gestiegener Treibstoffpreise in wirtschaftliche Schieflage geraten. Ein neuer Geschäftsplan sieht eine Flottenreduktion von 54 auf 36 Airbus A220-300 bis Jahresende vor. Im Netz will sich Air Baltic auf die ertragstärksten Linien konzentrieren. Die Airline ist der wichtigste Wetlease-Partner von Lufthansa.
Air Baltic: Flugbetrieb läuft weiter
Der Flugbetrieb wird laut Air Baltic "ohne Unterbrechung" fortgesetzt. Das Chapter-11-Verfahren könnte der Airline aber den vorzeitigen Ausstieg aus Leasingverträgen erleichtern.
"Wir haben alle für das Unternehmen verfügbaren Möglichkeiten zur Restrukturierung sorgfältig geprüft", sagte Air-Baltic-Aufsichtsratschef Andrejs Martinovs. "Unter gerichtlicher Aufsicht und geschützt vor Forderungen der Gläubiger bietet das Verfahren einen klaren Rahmen und Zeitplan, um Vereinbarungen mit Gläubigern zu erzielen - darunter Flugzeug-Leasinggeber und andere Beteiligte."
Air Baltic gehört zu 88,4 Prozent dem lettischen Staat, der auch 13 Prozent der Anleihe hält. Lufthansa hatte sich 2025 mit zehn Prozent an der Airline beteiligt, will aber kein Geld nachschießen.
Unter einem bis 2028 geschlossenen Wetlease-Rahmenvertrag kann Lufthansa in Spitzenzeiten bis zu 21 A220-300 von Air Baltic ins eigene Netz ziehen. Der Konzern will mittelfristig aber mit weniger Wetlease-Unterstützung auskommen.
"Für den Sommerflugplan 2027 rechnen wir mit einer verlässlichen Unterstützung unserer Airline-Partner, um unseren Kundinnen und Kunden weiterhin ein stabiles und attraktives Flugangebot anbieten zu können", sagte eine Lufthansa-Sprecherin aero.de. "Auch mit Air Baltic wurden die für den Sommer 2027 vorgesehenen Kapazitäten bereits frühzeitig festgelegt."
Air Baltic ist nicht die erste europäische Fluggesellschaft, die Möglichkeiten des US-Insolvenzrechts nutzt. SAS hatte zwischen 2022 und 2024 ebenfalls eine Chapter-11-Insolvenz in New York durchlaufen und sich in dem Verfahren gesundgestoßen.
© aero.de | Abb.: Air Baltic | 14.09.2026 10:22







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