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Air Baltic flüchtet in das US-Insolvenzrecht. Chapter-11-Regeln verschaffen der Airline in einer angespannten Finanzsituation Ellenbogenfreiheit gegenüber Gläubigern und Geschäftspartnern - aber nur wenig Zeit.
Die Airline stemmt das Verfahren über eine sogenannte "DIP"-Finanzierung: 350 Millionen Euro Brückenkredit, verzinst mit 12 Prozent. Die erste "DIP"-Tranche wird in zwei Zügen ausgezahlt: 140 Millionen Euro sofort, weitere 35 Millionen Euro binnen 35 Tagen. Das geht aus Chapter-11-Unterlagen hervor.
Die eigentliche Zukunft von Air Baltic entscheidet sich demnach an Kreditbedingungen - Verhandlungsziele in engen Fristen - der zweiten Tranche über 175 Millionen Euro. Für Air Baltic läuft ein 120-Tages-Countdown mit vielen Etappenzielen.
Nach Eröffnung des Chapter-11-Verfahrens muss Air Baltic unter anderem ...
... binnen 59 Tagen: Flugzeugleasingverträge kündigen.
... binnen 60 Tagen: eine Mehrheit der DIP-Gläubigern vom neuen Geschäftsplan überzeugen.
... binnen 100 Tagen: mit Leasiggebern neue Vereinbarungen für "75 Prozent der Flotte" schließen.
... binnen 100 Tagen: Vertragsbeziehungen mit Airbus und Pratt & Whitney über A220- und Triebwerkslieferungen neu verhandeln.
... binnen 100 Tagen: Wetlease-Beziehungen mit Lufthansa neu aufsetzen.
... binnen 120 Tagen: Eigenkapitalzusagen der lettischen Regierung oder strategischer Investoren für die Exit-Finanzierung im Chapter-11-Verfahren beibringen.
Flottenfragen stehen dabei ganz klar im Mittelpunkt: Air Baltic will ihre A220-Flotte bis Ende 2026 von 54 auf 36 Flugzeuge verkleinern, muss laut Kreditbedingungen aber für weit mehr Flugzeuge Leasingkonditionen nachverhandeln. Aus Festaufträgen über 90 A220-300 stehen noch 40 Flugzeuge aus, hier ist Air Baltic auf Entgegenkommen von Airbus angewiesen.
Hier endet die Flottenbereinigung nicht: Air Baltic muss 71,7 Millionen Euro aus der "DIP"-Finanzierung einsetzen, um 15 Flugzeuge und einen Simulator aus Finanzierungen herauszukaufen - das Manöver soll sich lohnen und Vermögenswerte von 170 Millionen Euro unter Kontrolle von Air Baltic bringen.
Lufthansa findet sich unterdessen in einer Doppelrolle wieder: Der Konzern ist mit zehn Prozent an Air Baltic beteiligt und andererseits Wetlease-Kunde der Airline.
© aero.de | Abb.: Air Baltic | 18.09.2026 09:30







Kommentare (1) Zur Startseite
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Die 40 Lieferpositionen bei Airbus nimmt man mit Kusshand zum schnelleren Aufbau von Lufthansa City.
Und die AirBaltic wird man am Ende übernehmen, ohne dafür viel zu bezahlen.