Chapter 11
09:30 Uhr

Air-Baltic-Zukunft steht und fällt mit Airbus und Lufthansa

Air Baltic Airbus A220-300 in Riga
Air Baltic Airbus A220-300 in Riga, © Air Baltic

Verwandte Themen

RIGA - Air Baltic unterzieht sich einem Chapter-11-Verfahren. Ein Neustart in Riga wird sich noch 2026 entscheiden: Air Baltic bleiben nur 120 Tage, um eine Serie straffer Kreditbedingungen zu erfüllen - sonst wackelt eine Brückenfinanzierung. Im Zentrum: Leasinggeber, Airbus, Pratt & Whitney - und Lufthansa.

Air Baltic flüchtet in das US-Insolvenzrecht. Chapter-11-Regeln verschaffen der Airline in einer angespannten Finanzsituation Ellenbogenfreiheit gegenüber Gläubigern und Geschäftspartnern - aber nur wenig Zeit.

Die Airline stemmt das Verfahren über eine sogenannte "DIP"-Finanzierung: 350 Millionen Euro Brückenkredit, verzinst mit 12 Prozent. Die erste "DIP"-Tranche wird in zwei Zügen ausgezahlt: 140 Millionen Euro sofort, weitere 35 Millionen Euro binnen 35 Tagen. Das geht aus Chapter-11-Unterlagen hervor.

Die eigentliche Zukunft von Air Baltic entscheidet sich demnach an Kreditbedingungen - Verhandlungsziele in engen Fristen - der zweiten Tranche über 175 Millionen Euro. Für Air Baltic läuft ein 120-Tages-Countdown mit vielen Etappenzielen.

Nach Eröffnung des Chapter-11-Verfahrens muss Air Baltic unter anderem ...

... binnen 59 Tagen: Flugzeugleasingverträge kündigen.

... binnen 60 Tagen: eine Mehrheit der DIP-Gläubigern vom neuen Geschäftsplan überzeugen.

... binnen 100 Tagen: mit Leasiggebern neue Vereinbarungen für "75 Prozent der Flotte" schließen.

... binnen 100 Tagen: Vertragsbeziehungen mit Airbus und Pratt & Whitney über A220- und Triebwerkslieferungen neu verhandeln.

... binnen 100 Tagen: Wetlease-Beziehungen mit Lufthansa neu aufsetzen.

... binnen 120 Tagen: Eigenkapitalzusagen der lettischen Regierung oder strategischer Investoren für die Exit-Finanzierung im Chapter-11-Verfahren beibringen.

Flottenfragen stehen dabei ganz klar im Mittelpunkt: Air Baltic will ihre A220-Flotte bis Ende 2026 von 54 auf 36 Flugzeuge verkleinern, muss laut Kreditbedingungen aber für weit mehr Flugzeuge Leasingkonditionen nachverhandeln. Aus Festaufträgen über 90 A220-300 stehen noch 40 Flugzeuge aus, hier ist Air Baltic auf Entgegenkommen von Airbus angewiesen.

Hier endet die Flottenbereinigung nicht: Air Baltic muss 71,7 Millionen Euro aus der "DIP"-Finanzierung einsetzen, um 15 Flugzeuge und einen Simulator aus Finanzierungen herauszukaufen - das Manöver soll sich lohnen und Vermögenswerte von 170 Millionen Euro unter Kontrolle von Air Baltic bringen.

Lufthansa findet sich unterdessen in einer Doppelrolle wieder: Der Konzern ist mit zehn Prozent an Air Baltic beteiligt und andererseits Wetlease-Kunde der Airline.
© aero.de | Abb.: Air Baltic | 18.09.2026 09:30

Um einen Kommentar schreiben zu können, müssen Sie sich bei aero.de registrieren oder einloggen.

Beitrag vom 18.09.2026 - 09:55 Uhr
Eine Traumsituation für Lufthansa.

Die 40 Lieferpositionen bei Airbus nimmt man mit Kusshand zum schnelleren Aufbau von Lufthansa City.

Und die AirBaltic wird man am Ende übernehmen, ohne dafür viel zu bezahlen.


Stellenmarkt

Schlagzeilen

aero.uk

schiene.de

Meistgelesene Artikel

Community

Thema: Pilotenausbildung

FLUGREVUE 09/2026

Shop

Es gibt neue
Nachrichten bei aero.de

Startseite neu laden