BERLIN - Zum vierten Mal sagen die Verantwortlichen den Eröffnungstermin des neuen Berliner Flughafens ab. Die Inbetriebnahme ist vorerst auf unbestimmte Zeit verschoben – zu wenig kalkulierbar ist der Umfang der bis zur Fertigstellung noch erforderlichen Arbeiten. Vom ursprünglich genehmigten Bauplan haben sich die Berliner längst verabschiedet. In der Hauptstadt geht ein neues Gespenst um: das Wort vom teilweisen Rückbau macht die Runde.
In einem raren
Interview äußerte sich der neue Technikschef Horst Amann jetzt erstmals umfassend zum wahren Ausmaß der Probleme des Fiasko-Flughafens. Amann, erfahrener Flughafenplaner der Fraport AG, wurde im Sommer an den BER geholt, um zu retten, was da schon nicht mehr zu retten war.
Man möchte sich nicht in Amanns Situation hineinversetzen. Wenige Tage vor der Absage der für Juni 2012 geplanten Inbetriebnahme wurden im Terminal schließlich noch fleißig und öffentlichkeitswirksam die Abfertigungprozesse mit Komparsen geübt. Die Einzelhändler hatten die Waren für ihre Regale längst bestellt, die PR-Maschine vor der Eröffnung rollte. Dann die kurzfristige Absage.
Da dürfte es Amann schon mehr als überrascht haben, dass auf dem Schönefelder Boden tatsächlich in einer Bauruine Flughafen geprobt wurde. "Nun gut, Ärmel hoch, Augen zu und durch – Eröffnung im Oktober 2013", lautete das Credo für die Planer nach der ersten Bestandsaufnahme.
Amann drückt das so aus: "Wir haben gesagt, wir können davon ausgehen, dass die
bauliche Substanz das hergibt, was wir brauchen, und versuchen durch
Nachweise mit Sachverständigen darzulegen und nachzuweisen, dass das
Gebäude auch in dieser gebauten Form sicher
ist und die Anforderungen erfüllt, um genehmigt werden zu können. Das war der Anspruch. (...). Das ist leider nicht eingetreten."
Frei übersetzt heißt das: Plan A, den Riesenmurks meiner Vorgänger irgendwie so hinzutricksen, dass hier bis Oktober doch noch ein betriebsfähiger Flughafen entsteht, ist gescheitert. Zeit für Plan B.
Nun soll vieles noch einmal auf den Prüfstand kommen. Dabei gebe es auch Bereiche, wo ein Umbau sinnvoller sein könnte als Nachsteuerungen, lässt Amann die neue Marschrichtung im Gespräch mit der dpa durchklingen. Das ist ein Paradigmenwechsel, denn Umbau bedeutet letztlich, dass zumindest Teile des Flughafens wieder abgerissen, neu geplant und neu gebaut werden. Nur dieses Mal unter den wachen Augen eines kompetenten Aufsehers.
Vieles wird Amann am BER jetzt von Grund auf neu zeichnen und berechnen lassen. Dafür dürfte er sich vor allem Zeit von den poltischen Gesellschaftern ausgebeten haben. Nicht schon wieder soll ein neuer Eröffnungstermin der Öffentlichkeit nicht vorhandene Kontrolle über das Projekt vermitteln und die Planer unter Zeitdruck setzen.
Frühestens 2014, vielleicht aber auch erst 2015 werde BER in Betrieb gehen, bleibt Amann vage. Sicher würde der BER-Aufsichtsrat, der seinen Namen längst nicht mehr verdient, das Projekt gerne schneller fertigstellen oder zumindest wieder einen neuen Termin kommunizieren können.
Bei der Aufsichtsratssitzung in der nächsten Woche wird aller Voraussicht nach zumindest aber der schon lange wackelnde Flughafenchef Rainer Schwarz von seinen Aufgaben entbunden werden. Mehr Verantwortung und Entscheidungsbefugnis dürfte dann auf Horst Amman übertragen werden. Richtig so.
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Unsere Pseudo-Hauptstadt hat den Namen "Hauptstadt" nicht verdient. Politisch ist das noch nicht mal drittklassig, ganz von der finanziellen Abhänigkeit von Baden-Württemberg und Bayern abgesehn. Unfassbar!