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Airline-Chefs laufen Sturm gegen europäische Kerosinsteuer

Kondensstreifen
Kondensstreifen, © Deutsche Lufthansa AG

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BRÜSSEL - Die Chefs der vier größten europäischen Airlinegruppen haben persönlich in Brüssel vorgesprochen und versuchen, eine drohende europäische Kerosinsteuer abzuwenden. Die Flugkonzerne fordern stattdessen die Förderung alternativer Treibstoffe und der Entwicklung elektrischer Flugzeuge.

Wortführer des Protestes gegen die geplanten Maßnahmen des sogenannten Green Deal-Pakets war Ryanair Group-Chef Michael O'Leary in seiner Funktion als Vorsitzender der Lobbyorganisation "Airlines for Europe (A4E)". 

Höhere Abgaben würden der Umwelt O'Leary zufolge gar nichts bringen, wohl aber "unvergleichlichen wirtschaftlichen Schaden" anrichten. "In Brüssel erträumt oder von Fahrradfahrern in Holland entworfen" sei diese Steuerkralle.

Zuvor hatten O'Leary und Führungskräfte der Lufthansa, der International Airlines Group und Easyjets ihren Unmut in einem Treffen mit EU-Verkehrskommissarin Adina-Ioana Valean kundgetan.

Aus der Anstrengung heraus, die Treibhausgas-Emissionen bis 2050 auf Null zu senken überarbeitet die EU ihre Energieabgabegesetze – zum ersten Mal seit 2003. Anders als Kerosin werden andere Treibstoffe längst besteuert.

Airlines wünsche sich anstelle einer Abgabe von der EU ein Anreizsystem, das CO2-Einsparungen attraktiv macht, gepaart mit der Förderung alternativer Treibstoffe. Auch in der Neuordnung des europäischen Luftraums zu einem "Single European Sky" sehen die Manager ein CO2-Einsparpotenzial von bis zu zehn Prozent.

Sollte die EU es ernst meinen mit ihre Umweltplänen, müsste sie dieses Projekt endlich umsetzen und den Luftraum effizienter gestalten. Allein auf Steuern zu setzen schade nicht nur Airlines sondern auch Regionen, die vom Tourismus leben.

Flugboom

"Wir müssen nachhaltiges Wachstum liefern", sagte O'Leary. "Eine Besteuerung ist dafür nicht zweckmäßig. Sie kostet Geld, das in neue Flugzeuge investiert werden könnte."

Beim Thema Co2 müssten Airlines mit einer Stimme sprechen, sagte O'Leary, um an anderer Stelle gegenüber Bloomberg TV anzufügen, dass Passagiere, die von "unlauteren Wettbewerbern" zu Ryanair wechseln würden ihren Co2-Fußabdruck um die Hälfte reduzieren könnten.

Eine Spitze gegen Lufthansa-Chef Carsten Spohr, der zuletzt Billigflieger dafür scholt, Verbraucher zu unnötigen Flügen anzuspornen.

Laut dem Chef der International Airlines Association IATA Alexandre de Juniac wollen Airlines ihren Teil zum Green Deal beitragen, Steuern seien jedoch "der politische Ausweg" und weniger effizient als ein langfristigerer und anstrengenderer Weg.

Regierungen und Ölförderunternehmen müssten ihm zufolge eine größere Rolle spielen, wenn es darum geht, alternative Treibstoffe für die Wirtschaft zugänglich zu machen.

Berechnungen der Vereinten Nationen zufolge lösen Airlines Energieunternehmen in 30 Jahren als größter einzelner Co2-Produzent ab – vorausgesetzt, andere Sektoren treiben den Übergang zu alternativen Technologien wie elektrische Autos voran.
© Bloomberg, aero.de (boa) | Abb.: Ryanair | 14.12.2019 09:31

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Beitrag vom 16.12.2019 - 11:23 Uhr
@Afterburner

Klar und ich als Autofahrer fordere dann auch, dass mir der Staat ein E-Mobil vor die Tür stellt, oder erneuerbaren Kraftstoff anbietet. Ich mein wünschen darf man sich ja viel, aber es sollte halbwegs realistisch sein. Alle anderen Verkehrsträger zahlen steuern, wieso sollte ausgerechnet der Flugsektor ausgenommen werden? Weil es besonders umweltfreundlich ist CO2 in 12km Höhe auszustoßen? Sicher nicht ...

1. Es ist egal ob das CO2 in bodennähe oder in 10-12 km Höhe emitiert wird. Nur der zwangsläufig bei der Verbrennung entstehende Wasserdampf wirkt sich dort schädlicher aus, deshalb wird ja auch ein Faktor 2 bei der Bewertung aufgeschlagen.

2. Wer baut die Strassen die das Flugzeug nicht braucht? Wir haben in D ohne Innerortsstraßen rd. 250.000km, die müssen auch unterhalten werden.

3. Durch ein single sky Abkommen könnten rd. 10% Kerosin in Europa eingespart werden, fragt doch mal die Politiker warum sie das seit Jahrzehnten nicht hin bekommen.

4. Gar keine Steuern stimm auch nicht, es geht nur um die Besteuerung des Kerosins.

5. Wenn nur eine Person mit dem Auto von z.B. HAM nach MUC fährt, hat das Auto in der Regel gleich viel Klima äquivalente Emissionen wie ein Flugzeug.

Dieser Beitrag wurde am 16.12.2019 11:25 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 16.12.2019 - 10:20 Uhr
Der Druck auf die Automobilindustrie war nie davon getrieben verbrauchsärmere Fahrzeuge zu entwickeln,
vs.
Nach Jahrzehnten der Optimierung des Ottomotors ist der Spielraum für Effizienzsteigerungen nur noch marginal und steht in keinem Verhältnis mehr zu Entwicklungs- und anschließenden Produktionskosten.

@Jumpfly: Konnte es sein, dass Sie sich hier gerade selbst widerlegt haben?
Warum wurde denn bis zum geht-nicht-mehr optimiert?

[Ein Turbo] ermöglich plötzlich doppelt so hohe Literleitsungen und dazu noch deutlich mehr Drehmoment. Ein 5 Liter V8 kann heute mit gleichen oder besseren Leistungswerten problemlos durch einen 2,5-3,0 Liter Motor ersetzt werden.

Genau das meinte ich ja. Der Druck war da. Und ob man nun für den gleichen Verbrauch mehr Leistung bekommt oder für gleiche Leistung weniger Verbrauch ist eine Frage des Einkaufsverhaltens. Nicht jeder braucht einen SUV >300PS.
Turbolader mit Direkteinspritzung um die 1 Liter Hubraum bewegen heute nicht nur theoretisch, sondern im Real-Betrieb verbrauchsgünstig viele Mitteklassemodelle.

Und ja, sicher gibt es bei den angewandten Testverfahren einiges zu kritisieren. Aber immerhin gibt es überhaupt Vorgaben für einen Flottenverbrauch basierend auf genormten Verfahren. Entsprechende Mechanismen fehlen in der Luftfahrt dagegen komplett.

Was Sie in Ihrer tollen Auflistung zur Kerosinsteuer kompett aussen vor lassen, ist dass eine deutsche Kerosinsteuer nur auf nationalen Flügen im deutschen Luftraum angewendet werden darf

In dem Artikel hier geht es um eine europäische Kerosinsteuer, also grob das Gebiet, das heute vom Kurzstreckentarif der Ticketsteuer abgedeckt wird.

Wie Sie so schön vorrechnen werden also kürzere Flüge von der Kerosinsteuer begünstigt? Wie kommen Sie denn darauf? Weil der Verbrauch natürlich bei längeren Flügen steigt? :))) Klar, wenn man 2 Stunden im optimalen Fluglevel durch die Gegend fliegt ist der VErbrauch schon deutlich höher als wenn man von Frankfurt nach Nürnberg eigentlich einen Parabelflug macht.

Nein, sodern weil die Ticketsteuer eine Pauschale ist, während die Kerosinsteuer mit dem Gesamtverbrauch - also mit der Distanz - weiter ansteigt.
Bei 33ct/L ist in einem A320 mit 160 Passagieren der break-even etwa bei 1h 15 min. YMMV basierend auf dem eingesetzten Typ und der Auslastung.

Zu guter Letzt dann noch der gut gemeinte Rat: Bevor Sie sich auf ein hohes Ross setzen und sich über andere hier lustig machen

Also der mit dem "nicht mehr genügend CO2 da" war echt gut, oder?

Dieser Beitrag wurde am 16.12.2019 12:08 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 16.12.2019 - 10:04 Uhr
Viel Blabla, aber was hat das mit seinem Post zu tun?

Dieser Beitrag wurde am 16.12.2019 10:05 Uhr bearbeitet.


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