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Ryanair-Piloten bekommen Rückendeckung aus den USA

Ryanair am Flughafen Frankfurt Hahn
Ryanair am Flughafen Frankfurt Hahn, © Frankfurt Hahn Airport

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DUBLIN – Ryanair-Piloten können für ihren Kampf um bessere Verträge mit Rückendeckung aus den USA rechnen. Die Pilotengewerkschaft von American Airlines bietet ihren irischen Kollegen finanzielle Unterstützung an. Ryanair glaubt trotzdem nicht, dass ihre Mitarbeiter sich organisieren.

Die Pilotenvereinigung der American Airlines Group (APA) hat Ryanair-Crews konkrete Unterstützung dabei angeboten, eine eigene Gewerkschaft zu gründen oder sich der schon bestehenden Irischen Pilotenvereinigung anzuschließen.

Das sagte Daniel Carey, Präsident der US-Pilotenvereinigung, der sich in der vergangenen Woche mit Mitarbeitern der irischen Airline in Dublin getroffen hat. Die US-Piloten verfolgen den europäischen Trend mit Sorge, Cockpitcrews in zweifelhafte Beschäftigungsmodelle oder Scheinselbständigkeiten zu zwingen.

"Wir haben das Ryanair-Modell beobachtet und wir wollen nicht, dass soetwas in den USA Schule macht", sagte Carey. Er fügte hinzu, dass die APA offen dafür sei, sich bei der Kommunikationsarbeit, in IT, mit personeller und finanzieller Unterstützung einzubringen.

Ryanair sah sich im September 2017 gezwungen, Flüge zu streichen, weil sie die Urlaubsplanung für ihre Piloten vergeigt hatte: der Urlaubsanspruch der Piloten für ein gesamtes Jahr musste auf neun Monate verteilt werden. Siebenhunderttausend Passagiere sind von den Flugausfällen betroffen.

Ryanair-Chef Michael O`Leary glaubt allerings nicht daran, dass seine Piloten sich tatsächlich in einer Gewerkschaft organisieren werden. "Nur, wenn die Hölle gefriert", sagte er dazu im September.

Weltweit stellen sich Piloten gegen den Trend, dass Airlines sie über Subunternehmen anstellen. Ryanair ist Spitze bei dieser Praxis.

"Pfennigfuchserei"

"Es ist an der Zeit, mit dieser Pfennigfuchserei aufzuhören, sich hinzusetzen und eine eigene Tarifkommission einzurichten", sagte Carey. "Das ist für die Fluggäste besser, für die Aktionäre, für das Management und für die Piloten." Wie hoch die finanzielle Unterstützung der APA ausfallen könnte, sagte Carey nicht.

Die APA repräsentiert 15.000 American-Airlines-Piloten und ist die größte unabhängige Gewerkschaft dieser Art. Sie kümmert sich in Washington um Themen wie Flugsicherheit, Training und den Kampf gegen die Übermüdung der Piloten. Die finanzielle Unterstützung von Kollegen im Ausland wäre gleichwohl ein ungewöhnlicher Schritt.

Ryanair hat bereits Sonderzahlungen von 10.000 Euro für ihre Kapitäne und 5.000 Euro für ihre Co-Piloten angeboten, die in Dublin, London Stansted, Berlin und Frankfurt stationiert sind. Vertreter der Airline wollen sich in den kommenden Monaten mit Mitarbeitervertretern zusammensetzen.

Das Angebot der APA wollte die Airline nicht kommentieren. Ryanair bleibt bei der Haltung, nicht mit Gewerkschaftsvertretern sondern nur mit Mitarbeitervertretern der jeweiligen Standorte - den ERC - zu verhandeln. Die pochen allerdings auch auf feste Arbeitsverträge.

Ryanair-Piloten am Zug

Der Europäische Gerichtshof hat im September 2017 entschieden, dass Ryanair-Mitarbeiter ihre Arbeitgeberin dort verklagen können, wo sie hauptsächlich arbeiten. Möglicherweise begünstigt dieses Urteil den Schritt hin zu regionalen Tarifverträgen für Mitarbeiter.

Carey interpretiert das Urteil als riesigen Anschub für die Piloten in ihrer Bemühung, sich zu organisieren. Gleichzeitig könnte es die Sorge der Investoren verstärken, dass höhere Lohnkosten der Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens schaden.

Laut Evan Cullen, dem Präsidenten der Irischen Pilotenvereinigung, liegt es nun an den Ryanair-Piloten, zu entscheiden, ob sie mit einer Stimme sprechen oder ob sie den Status quo beibehalten wollen. Die Ryanair-Crews "haben Angst, alleine aufzubegehren".

Dem Marktwert der Airline tut der schwelende Arbeitskampf indes keinen Abbruch. Der Wert der Ryanaiar-Aktien ist um 2,3 Prozent auf 17,34 Euro gestiegen. Das hat die Werteinbußen an der Börse wett gemacht, die nach der ersten Welle der Flugstreichungen am 15. September 2017 angefallen waren.

Ryanair ist an der Börse derzeit 20,5 Milliarden Euro wert.
© Bloomberg, aero.de | Abb.: Flughafen Hahn | 04.10.2017 11:32

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Beitrag vom 08.10.2017 - 07:46 Uhr
Nach Deutschem Recht müssten auch Arbeiten der Contractors eigentlich bei der Agentur für Arbeit angemeldet werden und nach einem Jahr müssen auch lokal Steuern gezahlt werden. Aus welchen Gründen auch immer interessiert sich die Agentur jedoch nicht für solche Prekären Arbeitsverhältnisse, so als gäbe es dort eine Anweisung zum "Blindflug". Wenn Sie z.B. einen Russen auf der Baustelle beschäftigen ohne Genehmigung und das entdeckt wird ist man jedoch sehr streng.

Warum das so ist? Warum verzichtet sogar eine STAATLICHE Europäische Airline auf Steuern und "ermöglicht" Ihren Mitarbeitern, in Scheinselbständigkeit Steuern zu umgehen? Vermutlich geht es um Wettbewerb und damit diese Airline, die vor einiger Zeit noch fast pleite war, bestehen kann hat man solche Arbeitsverhältnisse nach dem Vorbild Ryanair eingeführt.

Das Thema müsste von der Politik geregelt werden. Es müssten einheitliche Europäische Regeln getroffen werden um diese Ausbeutung zu stoppen - aber die Menschen in Europa stehen ja gar nicht im Interesse der Politiker. In Europa geht es nur noch ums Business, um die Ausbeutung, mehr nicht! Das verstehen die meisten jedoch noch nicht, oder ihnen geht es noch viel zu gut und sie erinnern sich nicht mehr an die Zeiten als es noch möglich war, mit einem normalen Job eine Familie zu ernähren und ein würdiges Leben zu führen.

Ich sehe offene Grenzen daher zunehmend kritisch, weil hierbei vor allem die Arbeitnehmer aus solchen Ländern leiden die einen guten sozialen Standard hatten. Gäbe es Europa nicht müsste Microsoft auch in Deutschland einen Firmensitz haben und würde dementsprechend hier auch Steuern zahlen. So können sie irgendwo den Firmensitz haben, Geschäfte in Deutschland machen und zahlen vermutlich überhaupt nichts.
Beitrag vom 04.10.2017 - 16:19 Uhr
Im irischen Recht gibt es wohl nicht den Begriff "Scheinselbständigkeit" oder man hat dort dabei die Luftfahrt ausgeklammert...
Sind die "contractors" nicht Leiharbeiter? In D müssten sie dann entsprechend entlohnt werden!
Beitrag vom 04.10.2017 - 13:32 Uhr
"Die finanzielle Unterstützung von Kollegen im Ausland wäre gleichwohl ein ungewöhnlicher Schritt."

Ungewöhnlich, aber bei näherer Betrachtung durchaus logisch. Die Rechte von Arbeitnehmern sind in den USA noch lascher als in Irland. Sollte Ryanair es dauerhaft schaffen die derzeitige Praxis beizubehalten, droht Piloten in den USA gerade bei kleineren regional airlines ein ähnliches Schicksal. Eine Gewerkschaft hat daran naturgemäß kein Interesse. Den europäischen Kollegen zu helfen dieses Modell zu kippen, weil die Sozialversicherungen zu behäbig reagieren um diese Praxis gerichtlich zu beenden, ist also auch im eigenen Interesse.


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