Andrej Panow
Älter als 7 Tage

Russland klagt früheren Aeroflot-Vize an

Aeroflot Airbus A321neo
Aeroflot Airbus A321neo, © Airbus

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MOSKAU - Andrej Panow hat seinen Chefposten bei Aeroflot nach dem russischen Überfall auf die Ukraine quittiert. Aus dem Exil meldete sich der Manager mit Kritik am Kriegskurs des Kreml zu Wort - und wird damit selbst zum Ziel. Moskau überzieht den früheren Aeroflot-Vize mit Korruptionsvorwürfen.

Mitte April hatte die Moskauer Aeroflot-Zentrale unangemeldeten Besuch. Der russische Inlandsgeheimdienst FSB durchsuchte Chefbüros, stellte Akten und Computer sicher. Die Aktion soll Andrej Panow gegolten haben.

Panow, bis Anfang März Strategie- und Marketingchef der Airline, hatte sich kurz nach dem russischen Überfall auf die Ukraine nach Tel Aviv abgesetzt. "Als Gegner des Krieges kann ich nicht mehr für ein Unternehmen arbeiten, das dem Staat gehört", sagte Panow der "Zeit". "Da gab es nicht viel zu überlegen."

Der Manager gab kurz darauf auch der "Financial Times" ein Interview, in dem er den Kurs der russischen Regierung verurteilte und weitere Wirtschaftsspitzen zum Boycott aufrief.

Panow: Anklage "politisch motiviert"

Nur einen Monat nach der FSB-Visite bei Aeroflot erhebt der Staat Anklage gegen Panow. Ein Gericht in Moskau stellte Panow laut russischen Medien in Abwesenheit unter Arrest. Die Anklage lautet auf "Betrug in besonders schwerem Fall", das russische Strafgesetz sieht dafür Freiheitsstrafen zwischen fünf und zehn Jahren vor.

Panow hatte bei seinem früheren Arbeitgeber, der Unternehmensberatung Bain & Company, einen Wachstumsplan für Aeroflot entworfen.

Aeroflot hatte Panow 2019 als Vorstand verpflichtet, um das Beraterkonzept in die Tat umzusetzen. Der Plan sah einen Ausbau der Passagierzahlen von 60 Millionen 2018 auf 90 bis 100 Millionen Fluggäste 2023 vor.

"Es ist offensichtlich, dass die Anschuldigungen gegen mich politisch motiviert sind", reagierte Panow gegenüber "Forbes Russia" auf die Anklage. "Das Strafverfahren wurde am Tag nach meines Interview mit der Financial Times eröffnet. Die Anschuldigungen selbst sind absurd und werden durch nichts gestützt."
© aero.de | Abb.: Airbus | 23.05.2022 14:11

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Beitrag vom 23.05.2022 - 23:23 Uhr
Er war ein Teil des Systems. Als Vehikel dieser kleptomanischen Nomenklatura kann es nicht sein, daß man ihm gar nichts vorwerfen kann. Zumindest gibt es da irgendein „Bobbycar“.
Andrej Panow hat meinen allergrößten Respekt, daß er es gewagt hat auszusteigen.
Beim Überreichen der Blumen wird vom FSB ja nicht immer das Messer entfernt.
Gruß Gustl
Beitrag vom 23.05.2022 - 21:58 Uhr
Wenn er wirklich korrupt gewesen wäre, wäre er bestimmt schön ruhig nach Israel gegangen ohne die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Jemand der etwas zu verbergen gehabt hätte gibt ja kaum ein Interview in der FT.
Beitrag vom 23.05.2022 - 19:23 Uhr
"Es ist offensichtlich, dass die Anschuldigungen gegen mich politisch motiviert sind"

Der Nachteil an autokratischen/diktatorischen Systemen, die unter Druck kommen, ist halt, dass ab einem gewissen Punkt nichts mehr passiert, was nicht durch den oder die herrschenden politisch motiviert ist. Die Kontrolle nimmt zu, die Eigeninitative aus Angst vor Fehlern ab.
Mit anderen Worten : Es passiert nur noch wenig Sinnvolles.
Das erinnert mich gerade fatal an das Ende der Sowjetunion, als sie den Absturz noch glaubten mit aggresivem Auftreten nach aussen und innen aufhalten zu können, so 1987/88 etwa.


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