Lufthansa-Zubringernetz
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Kartellamt erweitert Zugangsanspruch von Condor

Condor Boeing 767 in FRA
Condor Boeing 767 in FRA, © Alexander Mohl

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FRANKFURT - "Kartellrechtlicher Anspruch": Condor darf eigene Langstrecken-Passagiere weiter auf Lufthansa-Zubringer buchen. Das hat das Bundeskartellamt jetzt auch in der Hauptsache so entschieden. Die Kartellbehörde ging dabei sogar über eine "bloße Fortsetzung" des Zubringervertrags hinaus.

Condor behält Zugriff auf Lufthansa-Zubringer an die Drehkreuze. Das Bundeskartellamt hat Lufthansa "bis auf weiteres die Beendigung langjähriger Kooperationsvereinbarungen (sog. Special Prorate Agreements, SPA) mit Condor" untersagt, teilte die Behörde am Donnerstag mit.

An der arbeitete Lufthansa seit 2021. Nach Einschätzung des Bundeskartellamts steht Condor aber ein "Zugangsanspruch" auf das Lufthansa-Zubringernetz für die Drehkreuze Frankfurt, München und Düsseldorf zu. Heißt: Lufthansa kommt nicht aus dem SPA nicht so einfach raus.

"Keine andere Airline verfügt über ein vergleichbar dichtes Zubringernetz", stellte das Kartellamt nach mehrmonatiger Prüfung fest. "Aufgrund ihrer marktbeherrschenden Stellung (...) unterfällt Lufthansa der kartellrechtlichen Missbrauchsaufsicht und hat daher gegenüber anderen Marktteilnehmern besondere Pflichten."

Insbesondere sei Condor der Aufbau eines eigenen Zubringersystems "derzeit schon angesichts der weitgehend an Lufthansa vergebenen Start- und Landerechte an den deutschen Drehkreuzen" praktisch nicht möglich.

Diese Rechtsansicht hatte das Bundeskartellamt bereits in einer vorläufigen Einschätzung im Februar durchklingen lassen - und verdonnert Lufthansa in der aktuellen Entscheidung sogar noch über eine "bloße Fortführung der bisherigen Verträge" hinaus zu Erweiterungen der Geschäftsbeziehung mit Condor.

"Condor wird durch die Verfügung Zugang zu mehr Buchungsklassen als bisher erhalten", heißt es aus Bonn. "Zudem wird Condor die Möglichkeit haben, immer dann Plätze buchen zu können, soweit die Zubringerflüge noch erhebliche freie Kapazitäten haben." Auch sei es "kartellrechtlich nicht zulässig, dass Lufthansa über Vorgaben für Buchungsklassen (...) die Buchungs- und Preissteuerung für Condor einschränkt".

Eurowings Discover macht Condor Konkurrenz

Mit dem neuen Ferienflieger Eurowings Discover hat Lufthansa Condor auf vielen Langstrecken mit direkter Konkurrenz konfrontiert.

"Wir haben in Deutschland einen Wettbewerber, der uns ausmerzen will", hatte Condor-Chef Ralf Teckentrup in einem Interview mit der "FVW" zwischenzeitlich ungekannt scharfe Worte angeschlagen. "Die gucken sich an, was wir anbieten, und fliegen dann an den gleichen Tagen und mit ein oder zwei Flügen mehr pro Woche dorthin."

Die Langstrecken, auf denen Lufthansa und Condor vor allem in der Wintersaison fliegen, haben sich "zwischen 2019 und 2022 mehr als verdoppelt", erklärte das Kartellamt. Die "ressourcenstarke Lufthansa" habe genug Möglichkeiten "für einen wirksamen Leistungswettbewerb mit Condor" an der Hand.

"Wir stellen uns dem Wettbewerb, aber das Verhalten der Wettbewerber muss sich auch in rechtlich zulässigen Grenzen bewegen", reagierte Teckentrup auf die Nachrichten aus Bonn. Lufthansa kann gegen die Entscheidung noch Rechtsmittel vor dem OLG Düsseldorf einlegen - nach Angaben eines Sprechers wird Lufthansa die Entscheidung anfechten.
© aero.de | Abb.: Condor | 01.09.2022 12:38

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Beitrag vom 02.09.2022 - 14:40 Uhr
Vielleicht noch mal mit einfachen Worten zum Mitschreiben:
Condor Gäste bezahlen für die Zubringer Geld.
Sie sorgen für eine bessere Auslastung und bezahlen über
Condor Geld an LH.
Wenn LH dieses nicht will und auf die Passagiere verzichtet, dann
wird es wahrscheinlich nicht daran liegen, daß man kein Geld verdienen möchte, sondern (Trommelwirbel) um Condor
zu schaden.. Und die Nutzung dieser Marktmacht mussten schon
einige Airlines leidvoll erfahren.. Ist das zu schwer zu verstehen?
Beitrag vom 02.09.2022 - 11:55 Uhr
Argument #1:
Weil es massiv Kosten verursacht erlaubt man einfach die Resourcen des Konkurenten zu nutzen für günstig Kohle.

Weil der Konkurrent eben nicht diese Kosten hat. Abgesehen davon kann LH mit Condor die Sitze füllen, die vorher leer blieben und erhält noch etwas Geld dafür.

Argument #2:
Warum lässt es Condor dann nicht?

Aus demselben Grund, warum LH es wohl auch nicht lässt: es scheint sich wohl zu lohnen.

Warum soll die LH abbauen und ihr Geschäftsmodell schädigen? LH fliegt ja eben in erster Linie für sich und hat das Programm darauf aufgebaut.

Weil es doch ohnehin defizitär ist. Also weg damit. Dann muss man die pohse Condor nicht durchfüttern.

Warum eigentlich nicht selbst haften? Ist doch ihre Produktionskette. Auch hier, wenn es zu teuer wird, selber machen.

Inwiefern ist es ihre Produktionskette? Auf LH hat sie doch keinen Einfluss.

Also das Bahnsystem ist ja wohl ausreichend ausgelegt, um eben auch die neuen Terminalkapazitäten abdecken zu können.

Die Experten vom Kartellamt sind da offensichtlich anderer Meinung. Und denen vertraue ich mehr als irgendeinem Forumposter...
Beitrag vom 02.09.2022 - 11:30 Uhr
Ja genau da sagen sie es ja, die Feeder sind defizitär. Massiv.

Nein, das habe ich nicht gesagt. Sondern der Aufbau eines Feedernetzes ist massiv mit Kosten verbunden.

Argument #1:
Weil es massiv Kosten verursacht erlaubt man einfach die Resourcen des Konkurenten zu nutzen für günstig Kohle.

Man kriegt halt nie die Utilization wie ein P2P LCC hin, man braucht die Slots und man hat die Flieger halt mittags quasi leer wenn man Tagesrand fliegen möchte.

Das ist das Los eines Netzwerkcarriers. Wenn das nicht passt, soll man es lassen.

Argument #2:
Warum lässt es Condor dann nicht?


Da ist es natürlich super wenn man gesetzlich die Infrastruktur des Wettbewerbers nutzen kann und da noch günstige Buchungsklassen kriegt.

Der Wettbewerber kann ja die Infrastruktur abbauen wenn es ihm nicht passt. Keiner zwingt die Lufthansa dazu, die Feeder zu fliegen. Aber sich breit machen, die Wettbewerber wie Air Berlin einst wegbeißen und sich dann noch zu beschweren, dass man damit Geld verliert. Nein, da hält sich mein Mitleid echt in Grenzen.

Warum soll die LH abbauen und ihr Geschäftsmodell schädigen? LH fliegt ja eben in erster Linie für sich und hat das Programm darauf aufgebaut.

Wenn der Flug dann verpasst wird, haftet halt auch die LH nicht DE.

Das ist massiv nachteilig für die LH und massiv gut für Condor, nach meinem Wissen auch einzigartig in der Welt.

Nein ist nicht einzigartig. Haben wir vor Monaten auch schonmal durchgekaut. Warum soll auch Condor haften, wenn LH es nicht hinkriegt?

Warum eigentlich nicht selbst haften? Ist doch ihre Produktionskette. Auch hier, wenn es zu teuer wird, selber machen.

FRA hat eine neue runway und baut ein neues Terminal, die Slots sind da.

Was reden Sie da? Die runway ist nicht neu und nur begrenzt parallel nutzbar (nur mit der Südbahn) und das Terminal erhöht lediglich die Passagier Kapazität.

Also das Bahnsystem ist ja wohl ausreichend ausgelegt, um eben auch die neuen Terminalkapazitäten abdecken zu können.


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