Niedersachsen macht Ernst
Älter als 7 Tage

Vorstoß gegen Vorkasse für Flugtickets kommt

Passagiere am BER
Passagiere am BER, © FBB

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BERLIN - Mit einer Initiative im Bundesrat will das Land Niedersachsen das Prinzip der Vorkasse bei Flugreisen zu Fall bringen. Passagiere sollten künftig den Ticketpreis erst beim Check-In und nicht schon Monate vor dem Abflug entrichten müssen, wie die SPD/CDU-Landesregierung in ihrem Antrag zur Bundesratssitzung an diesem Freitag ausführt.

Aktueller Anlass des Vorstoßes sind demnach Tausende Flugabsagen in diesem Sommer, die zu erheblichen Schwierigkeiten bei den Reisenden führen könnten. Auch nach der Air Berlin-Pleite und in der Corona-Krise hatten Verbraucher Probleme, ihre vorab geleisteten Zahlungen erstattet zu bekommen.

Die Luftverkehrsindustrie lehnt die auch von Verbraucherschützern verlangte Abkehr von der Vorkasse ab. Der Branchenverband BDL verweist unter anderem auf die international üblichen Abrechnungsverfahren. Mit dem vorab eingenommenen Geld erreichten die Fluggesellschaften eine größere Planungssicherheit und könnten die Flugzeuge optimal auslasten, was auch positiv für das Klima ist.

Die Kunden könnten zudem über Frühbucherrabatte profitieren. Die Lufthansa hat beteuert, nahezu alle Erstattungsansprüche innerhalb der gesetzlichen Frist von sieben Tagen zu erfüllen.

"Flugausfälle, auf die Reisende keinerlei Einfluss haben, dürfen nicht zu einem zusätzlichen Aufwand für die Betroffenen führen. Die bisherige Situation begünstigt einseitig die Airlines", sagte Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) der Deutschen Presse-Agentur.

Ein Vorkasseverbot werde das bisherige System der Preisfindung nicht beeinträchtigen. "Keine Gesellschaft muss fürchten, dass Reisende nach einer frühen Buchung nicht am Flughafen erscheinen. Denn ein Vorkasseverbot verpflichtet die Reisenden natürlich trotzdem dazu, die gebuchten Tickets zu bezahlen."

Preisvorteile durch frühere Buchung

Das bisherige System hat der Bundesgerichtshof zuletzt 2016 für rechtens erklärt. Die Bundesrichter verwiesen auf die EU-Fluggastverordnung, die Verbraucher ausreichend schütze. Mögliche Zinsnachteile der Kunden würden regelmäßig durch Preisvorteile bei frühen Buchungen ausgeglichen.

Mit dem Antrag, der an diesem Freitag vorgestellt werden soll, will Niedersachsen eine Entschließung der Länderkammer erreichen, mit der dann die Bundesregierung zum Handeln aufgefordert würde. Es ist vorgesehen, den Antrag ohne Abstimmung zur weiteren Beratung in die Fachausschüsse zu verweisen.
© dpa-AFX | Abb.: Regierung von Niedersachsen | 16.09.2022 06:38

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Beitrag vom 16.09.2022 - 23:46 Uhr

Der Nachteil, der dadurch entsteht, werden die "No Shows" sein, welche aber schwer ersetzt werden können, es sei denn es wird für diejenigen eine Strafzahlung eingeführt (ähnlich wie im Hotel).

Das lässt sich genauso regeln, buche ich einen Flug (Kreditkarte ist hinterlegt) und trete den Flug dann nicht an, kann die Fluggesellschaft den Preis ganz normal abbuchen. So läuft das ja auch schon bei Hotels.

Genau, und selbst da gibt es sogar (nicht stornierbare) Sonderpreise, potzblitz. Also Planungssicherheit ist gegeben. Wo ist also das Problem für die Airlines? Checkt der PAX nicht rechtzeitig zum Flug ein (z.B. Online 24 Stunden vor dem Flug) wird die Kohle abgebucht.

Das ist sogar sicherer als bei den "Vollzahler - Normal - Flex - undallesmiteinander" Tarifen, da muss die Airline das Geld komplett zurück erstatten und der Platz bleibt definitiv leer.
Beitrag vom 16.09.2022 - 10:09 Uhr

Der Nachteil, der dadurch entsteht, werden die "No Shows" sein, welche aber schwer ersetzt werden können, es sei denn es wird für diejenigen eine Strafzahlung eingeführt (ähnlich wie im Hotel).

Das lässt sich genauso regeln, buche ich einen Flug (Kreditkarte ist hinterlegt) und trete den Flug dann nicht an, kann die Fluggesellschaft den Preis ganz normal abbuchen. So läuft das ja auch schon bei Hotels.
Beitrag vom 16.09.2022 - 09:08 Uhr

Und wenn alle erst beim Check In bezahlen, dann freue ich mich schon darauf bald in Stoßzeiten 5 Stunden vor Abflug da zu sein, selbst wenn bis dahin wieder genug Mitarbeiter vorhanden sind.

Typisch deutsche Diskussion, immer hervorheben was nicht gehen soll, statt über technische Möglichkeiten zu einem vernünftigen Ergebnis zu kommen. Im Hotel kann ich auch meine Kredikarte bei der Buchung hinterlegen und wenn ich vor Ort einchecke wird das Geld einfach abgebucht, ohne dass ich groß eine Pin eingeben oder Unterschrift leisten muss.
Aber egal, wenn die Airline den Kunden die Möglichkeit gibt, zahle gleich und profitiere von einem Preisnachlass oder Zahlen erst bei Check-in zu einem etwas höheren Preis, wird eine Neuregelung auch nicht die Airline benachteiligen, weil der Deutsche Sparfuchs ist und lieber den günstigen Preis haben will und freiwillig in Vorkasse geht. Und die, die die Sicherheit haben wollen, das Geld bei Annullierung schnell wiederzubekommen, haben dann die Möglichkeit dies (zwar über eine höheren Preis) auch zu bekommen.
Also bitte nicht so aufregen, selbst wenn eine Regelung kommen sollte, viel ändern wird sich wohl nicht.

Ich gebe Ihnen ja recht, aber es momentan nicht möglich bei den Airlines einen Flug zu buchen, welcher erst bezahlt wird, wenn ich diesen antrete! Also kann alles wie gehabt bleiben, es wird nur diese Möglichkeit (Ihr Vergleich Hotel) angeboten, zu einem angemessenen höheren Preis.
Der Nachteil, der dadurch entsteht, werden die "No Shows" sein, welche aber schwer ersetzt werden können, es sei denn es wird für diejenigen eine Strafzahlung eingeführt (ähnlich wie im Hotel).


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