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Superjet rollt weiter auf Pneus aus Europa

Suchoi Superjet 100
Suchoi Superjet 100, © Suchoi

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MOSKAU - Ein Feuer in der Reifenfabrik von Barnaul in Sibirien ist schuld, dass das Schuhwerk des Suchoi Superjet bis mindestens Ende 2023 französisch bleibt. Eigentlich sollten russische Reifen schon ab März die bisherigen Michelin-Pneus ablösen. Daraus wird nun nichts - Russland bleibt auf Importe angewiesen.

Ein Großteil der Komponenten am Suchoi Superjet stammt bislang aus dem Ausland. Mit der "russifizierten" Variante SSJ-New will Russland das ändern.

Der Superjet erhält in diesem Zuge neue Triebwerke, ein neues Fahrwerk, neue Avionik, neue Bremsen - und neue Reifen: statt Michelin aus Frankreich soll künftig mit YaShZ Avia aus Barnaul der russlandweit größte Hersteller von Flugzeugreifen zum Zuge kommen.

2022 durchlief ein Superjet bereits zahlreiche Tests mit den russischen Pneus, darunter auch härtere Belastungsproben wie einen simulierten Startabbruch. Die Zulassung der Reifen am YaShZ-Reifen am Superjet war für Ende Dezember 2022 vorgesehen, ab März sollten erste Auslieferungen an die Betreiber des Regionalflugzeugs erfolgen.

Schwere Feuerschäden

Ein Großbrand in der Produktionsstätte, in der neben Flugzeug- auch Nutzfahrzeugreifen der Firma Nortek im großen Stil entstehen, ließ diesen Zeitplan in der Nacht vom 8. auf den 9. Dezember 2022 in Rauch aufgehen. Wie Nortek und YaShZ Avia auf ihren Webseiten einstimmig konstatieren, hat das Feuer, zu dessen Ursache keine weiteren Angaben gemacht werden, "erhebliche Schäden" an den Produktionsanlagen verursacht.

Die Fertigung ruht bis auf Weiteres komplett. Mehr als 250 Mitarbeiter des Werkes sind bis auf Weiteres im Zwangsurlaub. Vor allem die Werkstatt für die Kautschukaufbereitung und -verarbeitung soll stark betroffen sein. Der russische Luftfahrt-Telegramkanal Aviatorschina berichtet nun, dass die Lieferung der ersten Superjet-Reifen aus Barnaul deshalb bis mindestens Ende 2023 verschoben sei.

YaShZ Avia fertigt in Barnaul vor allem Reifen für Passagier- und Transportflugzeuge sowie Helikopter sowjetischer Bauart, von denen besonders beim Militär noch eine große Anzahl im Einsatz steht. Auch die Reifen für den neuen russischen Airliner Irkut MS-21 sollen, im Zuge der sanktionsbedingten "Importsubstitution", künftig aus Barnaul kommen.

Derzeit ergreife das Management vor Ort Maßnahmen, um die Reifenfertigung "so schnell wie möglich wiederherzustellen", schreiben die betroffenen Firmen YaShZ Avia und Nortek in ihrer gemeinsamen Erklärung. Innerhalb von drei Monaten soll der Ausstoß neuer Pneus wieder auf 50 Prozent des Normalniveaus gebracht werden.

Die durch das Feuer zerstörten Produktionsanlagen will man durch modernere Geräte ersetzen. So könne man die Produktionskapazität des Werkes, im Vergleich zu vor dem Brand, mittelfristig sogar verdoppeln.

Michelin liefert weiter

Fürs Erste jedoch verzögert sich (nicht nur) die Serienfertigung der neuen Superjet-Reifen wegen der Feuerschäden erheblich. Für Betreiber des Musters soll das aber verschmerzbar sein. Ein wirkliches Problem mit der Verfügbarkeit der Michelin-Reifen bestehe nicht, schreibt Aviatorschina. Die Reifen würden weiter "in aller Ruhe nach Russland importiert".
© FLUG REVUE - Patrick Zwerger | Abb.: UAC | 16.01.2023 17:02

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Beitrag vom 16.01.2023 - 22:26 Uhr
Das ist ja nur ein Teil der Embargofolgen und ist vermutlich noch ein kleineres Problem. Es fehlt bei allen neuen Russ. Flugzeugmodellen hinten und vorn die westliche Technik. Alle gemachten positiven zeitlichen Aussagen über die Umstellung auf Russ. Technik sind doch viel zu optimistisch und sind als reine Propaganda zu bewerten. Von der Wirtschaftlichkeit ganz zu schweigen.

Soweit mir bekannt kommt ca 25% der relevanten Technik bei Airbus aus den USA. Kämen die aus Embargogründen plötzlich nicht würde auch dieser renommierte und versierte Konzern trotz Zugriff auf sonst weltweite Technik erhebliche Zeit und Geld brauchen um das zu ersetzen.
Beitrag vom 16.01.2023 - 21:15 Uhr
Michelin hatte eine Fabrik in Davydovo, near Moskau, wo unter anderem auch Flugzeugreifen hergestellt wurden. Michelin hatte im März 2022 die dortige Produktion eingestellt und die gesamte Fabrik mitsamt Mitarbeitern in Russische Hände transferiert. Ich glaube kaum. dass eine Firma wie Michelin einen Embargo Verstoß riskieren wird nur um ein paar Flugzeugreifen nach Russland zu verkaufen. Somit rollen russische Jets auf Reifen aus heimischer Produktion und nicht aus Europa.


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