Kompromiss
Älter als 7 Tage

Knickt der Bund bei Emirates-Verkehrsrechten ein?

Emirates sucht neue Verbündete
Emirates sucht neue Verbündete, © Airbus

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BERLIN - Emirates will nach Berlin. Die BER-Pläne der Fluggesellschaft werden in dieser Woche wieder politisch aktuell: VAE-Herrscher Scheich Mohamed bin Zayed Al Nahyan kommt zum Staatsbesuch in die Hauptstadt. Laut Kreisen wird über einen Kompromiss verhandelt - der die Bundesregierung aus einer innenpolitischen Zwickmühle nimmt. 

Emirates drängt Richtung BER. Die Airline soll bereits Slots am Hauptstadtflughafen für einen täglich 777-300ER-Umlauf nach Dubai ab Dezember 2026 geblockt haben. Noch stehen die Verkehrsrechte aus.

Dabei sind die Pläne schon sehr konkret: Im Winterflugplan 2026/2027 könne Emirates gegen 8:00 Uhr in Dubai starten und Berlin gegen Mittag erreichen, hatte Emirates-Chef Tim Clark bei einem Medientreff vor der ILA 2026 Mitte Juni in Berlin getönt.

Voraussetzung für einen Streckenstart ist eine Erweiterung des Luftfahrtabkommens zwischen Deutschland und den VAE: Emirates darf unter bisherigen Regeln maximal vier deutsche Flughäfen bedienen, die allerdings unbegrenzt.

Über die Jahre lief Emirates mit Lockerungsideen bei mehreren deutschen Bundesregierungen auf. Dieses Mal soll es klappen. "Wir sind fest entschlossen, wir kommen nach Berlin", sagte Clark. Der Ton wurde zuletzt rauer: Clark warf Lufthansa vor, sich in einem "Star Alliance-Kartell" vor Wettbewerb zu verschanzen.

Praktisch könnte Emirates schon jetzt jederzeit nach Berlin fliegen - wenn die Airline dafür einen anderen Zielflughafen in Deutschland opfert. Eine Preisgabe eines aktuellen Deutschlandziels zugunsten einer BER-Strecke lehnt Emirates allerdings ab. Die Airline will mehr Ziele im Luftverkehrsabkommens zwischen Deutschland und den VAE unterbringen. 

Zur Wochenmitte wird Scheich Mohamed bin Zayed Al Nahyan, Staatspräsident der VAE und Emir von Dubai, in Berlin erwartet. Vor dem Staatsbesuch kommt Bewegung in die Sache.

Sieben Wochenflüge, flexibel einsetzbar

Wie aero.de aus Luftfahrtkreisen vernimmt, wird inzwischen über einen Kompromiss gesprochen: Emirates könnte zusätzliche Flugrechte für sieben weitere Deutschland-Umläufe pro Woche erhalten.

Da Emirates die bisherigen deutschen Anflugpunkte - Frankfurt, München, Düsseldorf und Hamburg - ohnehin unbegrenzt bedienen darf, würden die Zusatzrechte logischerweise für einen neuen Flughafen verwendet - und den müsste Emirates selbst bestimmen.

Berlin oder Stuttgart: Bund überlässt Entscheidung Emirates

Die Bundesregierung könnte so einer innenpolitisch heiklen Festlegung aus dem Weg gehen. Denn neben Berlin bemüht sich auch Stuttgart um eine Anbindung an das Emirates-Netz.

Die VAE hatten - laut Kreisen - zuletzt eine noch weitergehende Liberalisierung der bilateralen Luftverkehrsbeziehungen angeregt: Emirates sollte freien Zugang zu allen deutschen Flughäfen bekommen - im Gegenzug hätte die Airline ihr Flugangebot an bestehenden Zielflughäfen in Deutschland bis 2029 nicht weiter ausgebaut.

Lufthansa lehnt weitere Zugeständnisse an den staatlichen Konkurrenten strikt ab. Der Konzern grollt weiterhin über den EU-Luftfahrtdeal CATA mit Katar, der Europa für Qatar Airways weitgehend geöffnet hat. Ein zweites CATA zwischen Deutschland und den VAE will Lufthansa verhindern. 

"Zusätzliche Landerechte schaffen keine direkten Langstreckenflüge", sagte Lufthansa-Airlines-Chef Jens Ritter. Emirates fliege aus Deutschland nur an ihre Drehkreuz Dubai. "Wer von Berlin nach New York oder Tokio will, steigt in Dubai um, nicht in Frankfurt oder München. Das ist keine Verbesserung der deutschen Konnektivität."

Rückendeckung erhält Lufthansa aus Hessen und Bayern - hier liegen die deutschen Lufthansa-Drehkreuze Frankfurt und München.
© aero.de | Abb.: Emirates | 07.09.2026 09:29

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Beitrag vom 01.10.2026 - 14:43 Uhr
Man kann nicht Nachtruhe wählen und sich dann über fehlenden Verkehr beklagen.

Naja, wie Frankfurt zeigt, hat Nachtruhe ja nicht automatisch weniger Verkehr tagsüber zur Folge...
Beitrag vom 01.10.2026 - 14:37 Uhr
Ich muss als Berliner umsteigen: punktum!

Dieses Klagen von zurückgesetztem Berlin ist kaum mehr auszuhalten. Wäre Berlin wirtschaftlich nur halb so potent wie es sexy sein will, dann wäre die entsprechende Nachfrage automatisch vorhanden. Ist sie halt nicht, Berlin schafft es nicht mal mit sexy sein und Flugzeuge fliegen nicht wegen leerer Reden, sondern wenn sie voll werden.

Warum konnte denn Leipzig Verkehr anziehen und Berlin nicht? Gut, das ist nur Fracht, aber dafür war sich doch Berlin zu schade. Man kann nicht Nachtruhe wählen und sich dann über fehlenden Verkehr beklagen.
Beitrag vom 09.09.2026 - 19:36 Uhr
Ich erwarte nicht, das LH Langstrecke aus DUS/HAM/BER anbietet aber der Vergleich von Morgen zeigt doch, dass in DE ein strukturelles Problem vorliegt.

Interkontinentale Abflüge morgen (ohne Nordafrika):
BCN 35 / MXP 35 / MAN 20 / EDI 14
BER 4 / DUS 4

In BCN und MAN zeigen übrigens Iberia und Virgin, dass man im eingeschränkten Maße auch Langstrecken ohne ein Zubringernetz anbieten kann.

Da greifen die vom Forist VB genannten Ausnahmen nicht und ich glaube auch nicht, dass die deutschen Wirtschaftsräume so viel kleiner sind als Lombardei / Nordengland oder Katalonien.

Zumindest scheinen Iberia, ITA und BA großzügiger in Bezug auf Verkehrsrechte auf Strecken zu sein, die sie selber nicht bedienen. Und die Regierungen (Verkehrsminister) scheinen sich mehr den Regionen verpflichtet zu fühlen als das im Fall Deutschland / Lufthansa der Fall ist, zumal die nicht ausgelasteten Flughäfen in DE in öffentlicher Hand sind: Man schützt ein privatwirtschaftliches Unternehmensergebnis zu Lasten der Wirtschaftlichkeit von öffentlichen Einrichtungen.

Und die Mehrverkehre einer DXB Verbindung in Berlin werden eben nicht ausschliesslich von FRA/MUC abgezogen, sondern auch von den anderen Hubs zudem entsteht neue Nachfrage. Nonstop-Verbindung führen erfahrungsgemäß zu einem Nachfrageanstieg auf dem Verkehrsstrom.

Das Ammenmärchen, dass ein starkes Frankfurt "gut" für Berlin sei, glaubt doch keiner mehr. Ich muss als Berliner umsteigen: punktum! Dann ist egal, wo. Und ich freue mich über jede weitere Hubanbindung, die mir neue Destination anbietet, die ich mit einmal Umsteigen erreichen kann.


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