Erweiterte Flugrechte
14:00 Uhr

Emirates, der BER und ein Minister-Satz, der aufhorchen lässt

Emirates Boeing 777-300ER
Emirates Boeing 777-300ER, © Ingo Lang

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BERLIN - Investitionszusagen gegen neue Flugrechte: Deutschland gibt Emirates mehr Raum. Der Deal mit den Emiraten geht überwiegend zulasten der Lufthansa, erste Reaktionen aus der deutschen Airlineszene fallen deutlich aus. Ein Nebensatz von Verkehrsminister Steffen Bilger (CDU) lässt aufhorchen.

Emirates ist nach jahrzehntelangem Lobbying am Ziel. Die staatliche Fluggesellschaft aus Dubai erhält für Deutschland Flugrechte über ihre bisher vier Zielflughäfen hinaus. Mit denen dürfte dürfte Emirates schon bald eine tägliche Linie zwischen Berlin und Dubai aufnehmen.

Den Ausschlag gaben offenkundig Investitionszusagen. Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) wollen 40 Milliarden Euro in Deutschland anlegen. Das teilten die emiratische Seite und die Bundesregierung während des Staatsbesuchs von Präsident Mohammed bin Sajid in Deutschland am Donnerstag mit.

Damit wird die bisherige Investitionssumme des Golfstaates in die deutsche Wirtschaft von rund 34 Milliarden Euro auf einen Schlag mehr als verdoppelt. Das Geld soll vor allem in digitale Infrastruktur fließen, darunter den Bau neuer, hochmoderner Rechenzentren mit einer Kapazität von rund ein Gigawatt.

In der Branche wittert man eine Verquickung. "Das ist keine verantwortungsvolle Luftverkehrspolitik, sondern ein fragwürdiger Deal zulasten inländischer Arbeitsplätze", sagte Dennis Dacke von der Gewerkschaft Verdi. "Deutsche Luftverkehrspolitik darf keine Verhandlungsmasse bei Staatsbesuchen sein."

Der BER ist bisher ein wichtiger Einzugsbereich für die Lufthansa-Interkontdrehkreuze Frankfurt und München. Der Konzern will sein profitables Langstreckengeschäft in den kommenden Jahren weiter ausbauen.

"Die angespannte Lage bei den innerdeutschen Strecken, die die Metropolregionen an heimische Drehkreuze anbinden, wird mit dieser Politik weiter belastet", kommentierte Lufthansa die BER-Freigabe für Emirates. Mittelfristig könnte der BER den ein oder anderen Lufthansa-Feederflug verlieren, schwingt zwischen den Zeilen mit.

Boeing 777-300ER, mit denen Emirates anfangs nach Berlin fliegen dürfte, fassen je nach Auslegung 354 bis 442 Passagiere. Rechnerisch könnten europäische Fluganbieter pro Woche bis zu 3.000 Interkontumsteiger aus dem BER-Einzugsbereich in den Golftransit verlieren.

In der Praxis dürfte sich der Verlust - unter normaler Flugauslastung und unter Herausrechnung der Passagiere, die nur bis Dubai reisen - eher "irgendwo zwischen 1.500 und 2.000 Passagieren pro Woche" einspielen, sagte ein Branchenkenner aero.de. "Aber auch das tut weh."

Der Bundesverband der deutschen Fluggesellschaften (BDF) sieht die Entscheidung der Bundesregierung "im krassen Widerspruch zu allen Versprechungen der deutschen Politik, die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Luftverkehrsgesellschaften zu stärken" und mag auch keinen Mehrwert für den Luftverkehrsstandort Berlin erkennen.

"Emirates wird keine direkten Langstreckenverbindungen von und nach Berlin schaffen, sondern Berlin lediglich an seinen Umsteigeflughafen Dubai anbinden, der aktuell in einem geopolitischen Hotspot dieser Welt liegt", sagte BDF-Geschäftsführer Michael Engel.

Der BDF sieht nicht nur Direktverbindungen von Condor und Eurowings nach Dubai in Gefahr. "Mit der Entscheidung pro Emirates verschließt Berlin alle Türen für andere Fluggesellschaften, die in der Zukunft bereit gewesen wären, wirkliche Direktverbindungen auf der Langstrecke von und nach Berlin anzubieten", sagte Engel.

Keine "Fünfte Freiheit" für Emirates am BER

Äußerungen von Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) lassen darauf schließen, dass Emirates möglicherweise sogar größere Ideen für den BER hatte.

Emirates betreibt in ihrem Netz mehrere Linien unter der sogenannten Fünften Freiheit. Die Regelung ermöglicht die Beförderung von Passagieren und Fracht zwischen zwei ausländischen Staaten, sofern der Flug im Heimatland der Airline startet beziehungsweise endet. Tickets dürfen dann auch für Teilstrecken verkauft werden.

Am Flughafen Mailand-Malpensa will Emirates dieses Betriebsmodell nach einem Medienbericht ausbauen - und neben Weiterflügen nach New York auch Linien nach Südamerika anbieten.

"Die zusätzlichen Flüge der Fluggesellschaft sind auf maximal sieben Flüge pro Woche begrenzt", betonte Bilger die Flanken des Emirates-Deals. "Gleichzeitig schließen wir ein Flugangebot der Airline zwischen dem fünften Landepunkt und Drittstaaten aus." Aus Sicht des Ministers wird der "Luftverkehrsstandort Deutschland" so sogar gestärkt.
© aero.de | Abb.: Emirates, Boeing | 11.09.2026 14:00

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Beitrag vom 11.09.2026 - 14:35 Uhr
Weshalb geht der Autor von der 77W aus?

Anfangs könnte doch auch der 359 kommen.
Beitrag vom 11.09.2026 - 14:28 Uhr
Geht es hier um Verkehrstechte für Emirates oder können alle LVU aus den VAE nach Berlin? Damit kann ja auch Etihad kommen.


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