Entscheidung in Frankfurt
Vor 7 Tagen

Letzte Gnadenfrist für die Lufthansa-A380?

Lufthansa Airbus A380 in München
Lufthansa Airbus A380 in München, © Lufthansa

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FRANKFURT - Die Zukunft der Lufthansa-Airbus A380 hängt am seidenen Faden. Auf dem Weg aus der Krise hat nur ein Vierstrahler "wirklich Zukunft": Lufthansa-Chef Carsten Spohr will sieben Langstreckentypen aus dem Flugzeugpark entfernen - und treibt den Aufbau einer A350-Flotte mit neuer Business Class voran.

Lufthansa gibt sechs A380 in der Krise vorzeitig an Airbus zurück. Ob die übrigen acht A380 gegen 2022 Chancen auf eine Rückkehr am Konzerndrehkreuz in München haben, ist derzeit offen. Aktuell stehen sich die Flugzeuge die Fahrwerke in den Bauch.

"Wir werden am kommenden Montag entscheiden, ob weitere A380 ausscheiden - und ich glaube, wenn A380 rausgehen werden es alle verbleibenden sein, dann würden wir die A380-Flotte verabschieden", sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr am Dienstag in einer Fragestunde mit Mitarbeitern.

Auf der Vorstandssitzung kommende Woche werde auch über das Schicksal zweier weiterer Langstreckenflugzeuge entschieden. "Da geht es um den Airbus A340-600, die leider auch noch nicht sehr alt sind, aber natürlich kein sehr effizientes Flugzeug, abhängig vom Treibstoffpreis aber auch wegen hoher Wartungskosten", erklärte Spohr.

Außerdem werde über die frühere als geplante Ausmusterung der Boeing 747-400 entschieden, die alle weitgehend abgeschrieben seien, so der Lufthansa-Chef. Hoffnung auf eine längerfristige Rolle bei Lufthansa hat nur die Boeing 747-8 - "das sind die einzigen Vierstrahler, die wirklich Zukunft haben", sagte Spohr.

Bei Austrian Airlines schaue man sich die Boeing-Typen 777-200 und 767-300 an, "das sind Flugzeuge, die keine Zukunft haben", so Spohr. Die MD-11-Frachter, die eigentlich bereits ausgeflottet sein sollten, erhalten noch eine Verlängerung ihrer Dienstzeit bei Lufthansa Cargo.

Lufthansa will A350-Lieferungen vorziehen

"Von den sechs MD-11, die noch fliegen gehen drei zeitnah raus, drei werden noch bis 2021 weiterfliegen, eine oder zwei sogar bis zum Frühsommer, weil das Cargo-Geschäft so boomt, da nehmen wir noch ein bisschen was mit", führte Spohr aus. Danach würden die MD-11 die Flotte verlassen.

Bis Mitte des laufenden Jahrzehnts werden dann in der Lufthansa-Gruppe definitiv insgesamt sieben Langstrecken-Muster verschwinden, schon vor der Entscheidung über die A380. Das betrifft die Airbus-Typen A340-300, A340-600 sowie A330-200, die Boeing-Flugzeuge der Typen 747-400, 777-200, 767 und sowie die MD-11.

In einem Ausblick auf die Zukunft erklärte Spohr, man erwarte jetzt die Lieferung der Boeing 777-9 ab dem zweiten Quartal 2022. Derzeit sei man mit Airbus in Verhandlungen über eine beschleunigte Abnahme von A350, "wenn man uns einen Preis macht, den wir nicht ignorieren können".

Das Geld zum Kauf weiterer A350 habe Lufthansa derzeit nicht. "Die würden wir leasen, aber nur, wenn dann die neue Business Class an Bord ist", so der Lufthansa-Chef in dem Mitarbeiter-Diskussionsformat "Offen gesagt" in Frankfurt.

Rotstift bei Flotte und Personal

Zeitgleich zeichnet sich bei Lufthansa ein weiterer Stellenabbau ab: statt 22.000 könnte Lufthansa laut Quellen der Nachrichtenagentur "Reuters" bis zu 28.000 Positionen streichen. Die Flotte soll statt um 100 um rund 130 Jets schrumpfen.
© aero.de, Andreas Spaeth, dpa-AFX | Abb.: Lufthansa | 15.09.2020 16:54

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Beitrag vom 16.09.2020 - 16:55 Uhr
Die Frage ist doch, ob die AUA überhaupt langstrecke fliegen soll.

Zumindest bei den Staatshilfen war die Erhaltung des Langstreckenhubs Wien eine Bedingung:

AUA-Rettungspaket steht: 450 Millionen Euro Staatshilfe
 https://kurier.at/wirtschaft/aua-rettungspaket-steht-450-millionen-euro-staatshilfe/400934555
Beitrag vom 16.09.2020 - 16:43 Uhr
Wer hat das was mit wem abgesprochen? Und was wäre denn die polnische Gegenleistung für so einen Verzicht?

Hab auf die Schnelle nur das gefunden:
------------------------
Der Bund hatte sich entschieden, sich auf zwei Luftdrehkreuze zu konzentrieren: Frankfurt am Main und München. Mit einem 24-Stunden-Flugverkehr in Sperenberg wäre zumindest für München eine ernste Konkurrenz erwachsen.
------------------------
 https://www.berliner-zeitung.de/warum-brandenburgs-frueherer-ministerpraesident-manfred-stolpe-vor-15-jahren-wider-seine-eigene-ueberzeugung-dem-flughafenstandort-schoenefeld-zustimmte-damals-war-nicht-mehr-zu-erreichen-li.10128

Gab meines Wissens aber auch schon ältere Vorgaben in den 2000er Jahren. Von einer Gegenleistung weiss ich nichts, das war eher die Bedingung, da es ansonsten keine Fördergelder gegeben hätte.

Das haben Sie aber ziemlich exklusiv. Es gab EU Fördergelder, und das ohne Einschränkungen, AB wäre der erste HUB Betreiber in BER geworden. Auch im Flughafenkonzept der Bundesregierung aus dem Jahr 2000 gibt es keine Einschränkung. Im Gegenteil, gerade die Rolle der "...Hub-fähigen Flughäfen wie Düsseldorf, Berlin und Hamburg..." wird für "...1998 die Notwendigkeit des Ausbaus des vorhandenen Flughafennetzes vor dem Hintergrund des gegenwärtig punktuell kapazitativ erschöpften Flughafensystems und des weiterhin wachsenden Luftverkehrs als besonders bedeutsam hervorgehoben und die Integration des Luftverkehrs in die Bundesverkehrswegeplanung als notwendig angesehen."

Ob dann ein HUB für irgendwen daraus wird, steht auf einem anderen Blatt. Möglich wäre es jedoch.

Dieser Beitrag wurde am 16.09.2020 16:44 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 16.09.2020 - 15:46 Uhr
Wer hat das was mit wem abgesprochen? Und was wäre denn die polnische Gegenleistung für so einen Verzicht?

Hab auf die Schnelle nur das gefunden:
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Der Bund hatte sich entschieden, sich auf zwei Luftdrehkreuze zu konzentrieren: Frankfurt am Main und München. Mit einem 24-Stunden-Flugverkehr in Sperenberg wäre zumindest für München eine ernste Konkurrenz erwachsen.
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 https://www.berliner-zeitung.de/warum-brandenburgs-frueherer-ministerpraesident-manfred-stolpe-vor-15-jahren-wider-seine-eigene-ueberzeugung-dem-flughafenstandort-schoenefeld-zustimmte-damals-war-nicht-mehr-zu-erreichen-li.10128

Gab meines Wissens aber auch schon ältere Vorgaben in den 2000er Jahren. Von einer Gegenleistung weiss ich nichts, das war eher die Bedingung, da es ansonsten keine Fördergelder gegeben hätte.

LH ist auch fest auf Münchner Seite, von daher müsste in Berlin irgendeine andere Fluggesellschaft ein Drehkreuz anbieten.

Eventuell gibts aber indirektes Hubbing über Star-Alliance. Die LH fliegt ja lokal so oder so zum BER und andere Star Alliance Mitglieder in China, Japan, Thailand, Korea, USA dürften BER sicher auch direkt anfliegen.

Mehr wird es aber vermutlich nicht geben.


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