Ownership and Control
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IAG kann Brüssel vor Brexit nicht erweichen

Brexit
Brexit, © British Airways

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LONDON - Der Flugkonzern IAG gerät Wochen vor dem Brexit in eine äußerst verzwickte Lage: EU-Vorschriften über Eigentum und Kontrolle stellen Flugrechte der Konzernfirmen Iberia, Vueling und Aer Lingus in der EU direkt in Frage. Die Rechtsauslegung der IAG-Konzernzentrale lässt Brüssel kalt.

Großbritannien steuert auf einen ungeregelten EU-Austritt zu und das stellt einige Airlines vor Probleme: nur Fluggesellschaften, die zu 51 Prozent EU-Bürgern oder -Unternehmen gehören, dürfen nach dem Brexit weiterhin frei in der EU27 fliegen.

IAG wird diese Hürde durch Großaktionär Qatar Airways, der 20 Prozent hält, und eine breite britische Aktionärsbasis reißen.

Noch beharrt der Flugkonzern aber auf der Feststellung, dass zumindest die fliegenden Töchter in Irland und Kontinentaleuropa so fest in ihren Heimatländern verankert sind, dass selbst ein harter Brexit ihren EU-Status nicht gefährdet.

"Ich vermag nicht zu erkennen, wie darin eine Lösung für IAG liegen soll", meldete ein ranghoher EU-Beamter gegenüber der "Financial Times" nun Zweifel an der Linie an, die IAG in Sachen Ownership and Control derzeit noch offensiv vertritt.

IAG will sich als organisatorischen Mantel verstanden wissen. Eine Ebene darunter sollen komplexe gesellschaftsrechtliche Konstrukte eine nationale Trägerschaft von Iberia, Vueling und Aer Lingus begründen: auf Stufe der Beteiligungen unterscheidet IAG dabei zwischen "Stimmrechten" und "kommerziellen Rechten".

So hat man 50,1 Prozent der Stimmrechte bei Iberia im spanischen Treuhänder "Garanair" geparkt, während die kommerziellen Rechte - darunter die Ansprüche auf den Gewinn - dem Dachkonzern IAG zufallen.

IAG klammert sich an Stimmrechte

Diese Regelung besteht seit der Fusion von British Airways und Iberia zur IAG 2011 und war unter EU-Recht unproblematisch - im Brexit soll sie als Auffangnetz herhalten: IAG stützt sich darauf, dass allein die Stimmrechte als Maßstab für Ownership and Control gelten müssten. Das ist Brüssel offenbar zu dünn.

Denn die tatsächlichen Kräfteverhältnisse sprechen stark dafür, dass IAG und nicht Garanair bei Iberia das Wort führt: Garanair wird im spanischen Handelsregister als Kleinstfirma im Geflecht des Handelskonzerns El Corte Inglés mit "1 bis 9 Mitarbeitern" und einem Jahresumsatz von "weniger als zwei Millionen Euro" gelistet.

Nächste Woche wird das britische Unterhaus über den zwischen EU und der Regierung May ausgehandelten Austrittsvertrag abstimmen, Ausgang offen.

Vueling, Iberia und Iberia Express hatten auf spanischen Inlandsflügen im vergangenen März einen Marktanteil von 47 Prozent. Dies geht aus der letzten vorliegenden Statistik des zuständigen spanischen Ministeriums hervor. Zusammen mit British Airways und der ebenfalls zu IAG gehörenden irischen Fluglinie Aer Lingus kam IAG in Spanien auf einen Marktanteil von 25 Prozent.

Der EU-Kommission zufolge könnte die spanische Luftfahrtbehörde in die Lage geraten, selbst entscheiden müssen, ob sie Iberia und Vueling nach einem Brexit ohne Deal weitere Flüge verbiete. Allerdings könnten sich Rivalen wie die Lufthansa oder Air France-KLM gegen eine solche Entscheidung vorgehen.

"Die Risiken eines ungeordneten Austritts Großbritanniens aus der Europäischen Union sind offensichtlich: Es wird eine absolute Katastrophe werden", warnte Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker im Dezember vor nicht absehbaren Folgen.

Im Ernstfall will Brüssel möglicherweise Übergangsregeln schaffen, um einen drohenden Zusammenbruch des Flugverkehrs zwischen Großbritannien und der EU27 Ende März abzuwenden.

Neben der IAG könnten weitere EU-Airlines, deren Aktionäre mehrheitlich nicht aus der EU27 stammen, auf Turbulenzen zusteuern: Ryanair, TUI, Easyjet und Condor bräuchten dann ebenfalls einen Plan B.
© aero.de, Bloomberg News | Abb.: British Airways | 10.01.2019 11:55

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Beitrag vom 11.01.2019 - 13:02 Uhr
Die Chefs der grossen Gesellschaften wissen sehr wohl, was auf sie zukommt.
Die Brexit-Befürworter wissen, was sie tun!
Ausserdem: Wo gehobelt wird, fallen Späne.

Beitrag vom 11.01.2019 - 10:51 Uhr
Ich erwarte dann aber auch das easyjet Europe als britische Airline angesehen wird und easyjet keinerlei Flüge in der EU durchführen darf. Was für Iberia gilt sollte dann für alle gelten.

Die Anteile von EasyJet befinden sich mehrheitlich in EU-Hand. Für den Fall, dass dies nicht der Fall wäre, haben die Aktionäre bereits beschlossen, dass UK-Aktionäre zum Verkauf von Anteilen verpflichtet werden können, um dieses Mehrheitsverhältnis wieder herzustellen. Die britische Regierung hat allerdings EasyJet UK den Status als britische Fluggesellschaft zuerkannt, auch wenn die Eigentümermehrheit in der EU liegt.

Bei Iberia (und zwangsläufig auch bei Aer Lingus) ist der Fall allerdings anders gestaltet. Die Mehrheit der Aktionäre der IAG kommt aus UK und sonstigen Drittländern, bspw. Qatar (20%). Lediglich Anisec aus Österreich sollte rechtssicher als EU-Gesellschaft gelten, da die Mehrheit bei einer österreichischen Stiftung liegt.
Beitrag vom 10.01.2019 - 21:28 Uhr
Ich erwarte dann aber auch das easyjet Europe als britische Airline angesehen wird und easyjet keinerlei Flüge in der EU durchführen darf. Was für Iberia gilt sollte dann für alle gelten.


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