US-Luftverkehr
Älter als 7 Tage

Airlines schrammen 300 Mal an Unfällen vorbei

Zwischenfall in Boston
Zwischenfall in Boston, © NTSB

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WASHINGTON - Bei der US-Luftfahrtaufsicht FAA stapeln sich Fallakten zu Beinaheunfällen. Allein im Juli gingen in US-Registern nach einem Medienbericht 46 Meldungen zu gefährlichen Situationen im US-Luftverkehr ein. An einem Zwischenfall in San Francisco war ein Airbus A330 von Condor beteiligt.

Im US-Luftverkehr traten 2023 teils extreme Konfliktkonstellationen auf. Allein im Juli gab es mindestens 46 Fallmeldungen. Das berichtet die "New York Times".

Am 2. Juli bricht eine Southwest-Crew eine Landung in New Orleans ab - auf dem angeflogenen Runway startet gerade eine 737 von Delta. Nach Informationen der "New York Times" entgehen die Flüge nur "um Sekunden" einer Kollision.

Neun Tage später, am 11. Juli, wird es in San Francisco eng: Ein gerade aus Las Vegas gelandeter Airbus A320 von Frontier rollt extrem nahe an Runway 28L an.

Ein A321 von American Airlines, Flug 2398 nach Phoenix passiert den Frontier-Airbus im Startlauf knapp. Rund 90 Sekunden später erteilt die Flugsicherung einer deutschen Crew Startfreigabe auf 28L. Nach Recherchen des "aeroTelegraph" handelte es sich um Condor-Flug 2097 nach Frankfurt, ein Airbus A330-200.

Die FAA will nachermitteln, wie viel Abstand zwischen den Tragflächen der Jets von American und Condor und dem A320-Cockpit von Frontier noch lag. In einem internen Bericht, der der "New York Times" vorliegt, spricht die Behörde von einer "Haut-an-Haut"-Situation.

Nahe Dallas kommt es Ende Juli in der Luft zu einer gefährlichen Begegnung zwischen Jets von American Airlines und United Airlines in der Luft. Die American-Piloten reißen ihren Airbus A321 schnell 700 Fuß hoch, um die Lage zu entschärfen.

Landesweite Zwischenfälle

Die Häufung von Beinaheunfällen im Juli sticht heraus. Die USA waren aber bereits in den Vormonaten Schauplatz von "Close Calls". Am 13. Januar zwingt eine 777-200 von American Airlines am New Yorker Kennedy-Flughafen eine startende 737-900 von Delta zur Vollbremsung.

Am 4. Februar wenden FedEx-Piloten eine drohende Kollision mit einer 737-700 von Southwest in Austin ab. Die Flugsicherung hat die 767F zur Landung und die 737-700 zeitgleich zum Start auf der gleichen Piste freigegeben - der Frachter zieht mit nur 30 Meter Höhenunterschied über die 737 hinweg.

Am 27. Februar bricht eine E190-Crew von JetBlue Airways eine Landung in Boston im denkbar letzten Moment ab. JetBlue 206 zischt wenige Meter über einen Learjet hinweg, der - ohne Freigabe der Flugsicherung - zum Start auf den Runway einbiegt.

Ein ähnlicher Vorfall spielt sich am 30. April in Charlotte ab - hier muss eine 737 MAX 8 von American Airlines einem Airbus A220-300 von JetBlue ausweichen.

Unterbesetzte Flugsicherung

Die US-Flugsicherung leidet unter akuter Personalnot. Nach einem Revisionsbericht des US-Verkehrsministeriums beschäftigte die FAA 2022 nur 10.578 vollständig zertifizierte Fluglotsinnen und Fluglotsen - zehn Prozent weniger als 2012 und in etwa so viele wie zuletzt im Jahr 2000.

Die Probleme bestehen landesweit. Rund drei Viertel der großen FAA-Center arbeiten unterhalb der kritischen Besetzungsquote von 85 Prozent. Ein Brennpunkt ist die New York Terminal Radar Approach Control N90. Hier sind laut FAA aktuell nur 54 Prozent der Lotsenstellen besetzt.

Die FAA will mit Konferenzen und Invesitionen in Technik die Beinaheunfallserie abstellen. Nach Lesart der Behörde sind Meldungen zu "Close Calls" an US-Flughäfen seit der Pandemie in Summe sogar rückläufig. Im laufenden Jahr gingen bei der FAA bisher 985 entsprechende Berichte ein.

Darin sind allerdings auch sogenannte "Kategorie D"- und "Kategorie C"-Ereignisse enthalten, die zwar meldepflichtig sind, aus denen aber keine unmittelbaren Gefahrensituation hervorging. Schwerwiegende Konfliktsituationen sortiert die FAA in "Kategorie B" und "Kategorie A" ein, wobei in letzterer "eine Kollision nur knapp vermieden" wurde.

Neben gemeldeten Vorfällen gibt es eine Dunkelziffer, die sich aber zumindest teilweise ausleuchten lässt.

Die "New York Times hat einer Datenbank der NASA, in der Piloten und Fluglotsen vertraulich Meldungen hinterlegen können, rund "300 Fallberichte zu Beinahekollisionen mit Beteiligung kommerzieller Airlines" in den letzten zwölf Monaten entnommen - das sind laut "New York Times" doppelt so viele wie vor zehn Jahren.
© aero.de | Abb.: NTSB, Denver Airport | 24.08.2023 10:48

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Beitrag vom 26.08.2023 - 23:34 Uhr
Modhinweis: 2 Beiträge gelöscht wg. Verletzung der Forenregeln.
Beitrag vom 25.08.2023 - 00:49 Uhr
@TOPPS,

müssen nicht Piloten und Controler immer deutlich und in angemessener Geschwindigkeit sprechen?
Wie kann es sein, dass Teile der Kommunikation in Protokollen als unverständlich beschrieben werden.
Müssen die Controler wirklich immer so schnell sprechen?

Dieser Beitrag wurde am 25.08.2023 18:34 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 24.08.2023 - 18:58 Uhr
Es ist aufschlussreich zu lesen, wie man wegen seiner Meinungsäußerung reflexartig in die Pfanne gehauen und in die Ecke gestellt wird.

Nein, jemand hat Ihrer Meinungsäußerung widersprochen. Das ist was anderes - und soll in Diskussionsforen bisweilen vorkommen...

Standardisierte Fachterminologie hat seine Berechtigung und wird in Nordamerika in sicherheitskritischen Bereichen angewandt.

Ich halte die Pilot-Lotse Kommunikation durchaus für einen sicherheitskritischen Bereich.
Sie nicht?


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