Lufthansa-ITA-Deal
Älter als 7 Tage

EU-Kommission kreist sechs Monopolstrecken rot ein

ITA Airbus A350-900
ITA Airbus A350-900, © Airbus

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FRANKFURT - Die EU-Kommission leuchtet den geplanten Lufthansa-Einstieg bei ITA Airways aus. "Wir haben die Anmeldung erhalten und treten jetzt in die offizielle Phase ein", sagte der geschäftsführende EU-Wettbewerbskommissar Didier Reynders am Dienstag in Brüssel. Die Behörde hat bereits konkrete Strecken für Slot-Auflagen im Blick.

Lufthansa kreist tiefer über Rom. Der Konzern hat den im Mai mit Italien verabredeten Stufenplan zur Übernahme von ITA Airways vergangene Woche offiziell bei der EU-Wettbewerbskommission zur Prüfung hinterlegt. Im ersten Zug will Lufthansa für 325 Millionen Euro 41 Prozent der Airline übernehmen.

"Wir wissen, dies ist eine wichtige Akte", sagte Reynders. Die EU-Kommission werde den Fall "so schnell wie möglich" bearbeiten.

Die Prüfung startet nicht von null. In zähen Vorverhandlungen hatten Lufthansa und Kartellbehörde Streitthemen vor die Klammer gezogen. Lufthansa will überharte Auflagen vermeiden.

"Wir prüfen die möglichen Überschneidungen auf verschiedenen Strecken und die Situation auf den verschiedenen Flughäfen", deutete Reynders Slot-Auflagen an.

Nach Informationen der Zeitung "Corriere Della Sera" hat die EU-Kommission hier bereits einige Vorarbeit geleistet - und sechs Monopolstrecken von Lufthansa und ITA identifiziert: Mailand - Frankfurt, Mailand - Stuttgart und Mailand - Düsseldorf sowie Rom - Frankfurt, Rom - München und Rom - Zürich.

Ein Dossier, aus dem die Zeitung zitiert, weist zudem auf "marktbeherrschende Stellungen" des um ITA erweiterten Lufthansa-Konzerns auf den Linien Mailand - Brüssel (95 Prozent des Sitzangebots), Rom - Brüssel (74 Prozent des Sitzangebots) und Mailand - Hamburg (65 Prozent) hin.

Ebenso gebe es "direkte und indirekte Überschneidungen" zwischen Langstrecken von ITA und des Lufthansa-Konzerns in den Zielmärkten Nordamerika, Asien und Afrika.

Die EU-Kommission hatte nach Medieninformationen im informellen Vorverfahren Frequenzreduktionen auf Lufthansa-Langstrecken in Frankfurt und München als mögliche Auflage ins Spiel gebracht. Dagegen regt sich bei Lufthansa deutlicher Widerstand.

Im Luftfrachtgeschäft zeichnen sich laut des Dossiers hingegen nur "geringfügige Schnittmengen" zwischen Lufthansa und ITA ab.

Phase 1 bis 15. Januar 2024

Die erste Prüfphase läuft bis 15. Januar 2024. Zu diesem Stichtag kann Reynders die Übernahme entweder unter Auflagen freigeben - oder eine genauere Untersuchung eröffnen. Für ein Phase-2-Verfahren hätte die EU-Kommission weitere 90 Tage Zeit, dann würde es für ITA finanziell vermutlich aber eng.

Bei einer Freigabe kann Lufthansa den ITA-Anteil ab 2025 auf 90 Prozent ausbauen. Laut Kreisen wird Lufthansa für die ausstehenden Anteile weitere 500 Millionen aufwenden. Diese Beteiligungsschwelle wird ausgelöst, sobald ITA die Gewinnzone erreicht. Spätestens 2033 will Italien bei ITA komplett aussteigen.
© aero.de | Abb.: Airbus | 06.12.2023 10:32

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Beitrag vom 07.12.2023 - 15:01 Uhr
Danke für die vielen Kommentare zu meinem Post. Ich denke unsere Frustration war zu sehen dass die Behörden in bestimmten Bereichen machtlos sind und wie schamlos Monopole ausgenutzt werden.
Wollen Sie damit andeuten, dass die Behörden nicht frei in ihrem Handeln sind und unterschiedliche Kräfte versuchen diese zu beeinflussen?
Aber so ist das Spiel. Obwohl Sie Ihre Anliegen mit Fakten und Daten untermauert haben, gab es wohl jemanden mit einem größeren Hebel, vielleicht sogar ein Konkurent.
Auf der anderen Seite, gerade als DAX Konzern, haben wir unseren National Carrier immer unterstützt. LH ist Teil der deutschen Infrastruktur und sollte daher auch unterstützt werden, denn niemand will immer in der Wüste umsteigen müssen…
So ist das Gemeinwohl doch wieder nur die Summe vieler Einzelinteressen.
Warten wir es ab, wie die Kommission entscheidet.

Dieser Beitrag wurde am 07.12.2023 15:02 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 07.12.2023 - 14:52 Uhr
Zur Frage von Christian, ja, die anderen Konzerne sehen es genau so und wollen einen starken Nationalcarrier.
Dazu haben sich die Unternehmen im Verband Deutsches Reisemanagement zusammengetan, in dem auch die LH Mitglied ist.
Dort diskutiert man sehr sachlich, so wie auch die (guten) Einkäufer mit dem Vertrieb. Nur zu den Verhandlungen wird es dann immer sehr viel engagierter ;-)
Beitrag vom 07.12.2023 - 13:55 Uhr
Danke für die vielen Kommentare zu meinem Post. Ich denke unsere Frustration war zu sehen dass die Behörden in bestimmten Bereichen machtlos sind und wie schamlos Monopole ausgenutzt werden.


Naja, mit den Monopolen ist das immer so eine Sache. Auf der einen Seite gibt es immer alternative Verbindungen, auf der anderen Seite wünschen sich viele sogar Monopolstrecken, z.B. bei Interkontflügen aus Berlin.


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