Flug 5X2976
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Lagerring S00399-1 rückt in den Fokus der Ermittler

Absturzstelle von Flug 5X2976
Absturzstelle von Flug 5X2976, © NTSB

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LOUISVILLE - Im Startvorgang reißt das linke Triebwerk der MD-11 ab - 15 Menschen sterben als der Frachter von UPS aus geringer Höhe in Gewerbeanlagen hinter dem Flughafen Louisville einschlägt. Die US-Flugunfallbehörde NTSB verfolgt einen neuen Ansatzpunkt - und hat Fragen an Boeing und die FAA.

Flughafen Louisville, 4. November 2025: UPS 2976 beschleunigt auf 17R zum Start nach Honolulu als das linke Triebwerk abreißt. Die MD-11 ist nicht mehr kontrollierbar, stürzt 20 Sekunden später aus rund 30 Meter Höhe in Gewerbeanlagen.

Alle drei Crewmitglieder und elf Menschen am Boden finden den Tod. Zwei weitere Personen werden schwer verletzt, 21 leicht. Nach Medieninformationen ist einer der Schwerverletzen im Dezember 2025 verstorben.

Die US-Flugunfallbehörde NTSB ist in den Wrackteilen auf einen gebrochenen Lagerring gestoßen. "Der kugelförmige Lagerring, der normalerweise aus einem Stück besteht (...), wurde in einen vorderen und einen hinteren Teil zerbrochen aufgefunden", teilte das NTSB am Mittwoch in einem Update zu den Ermittlungen (PDF) mit.

Der Lagerring, Teilenummer S00399-1, hat einen Durchmesser von nur acht Zentimeter - und war im Februar 2011 Gegenstand eines Service Bulletins von Boeing.

Der Konzern wies Betreiber auf vier gebrochene Lagerringe an drei MD-11 hin, hielt das aber für weitgehend unbedenklich: "Kein Flugsicherheitsthema", vermerkte Boeing laut NTSB in dem Service Bulletin. Betreiber sollten das Lager lediglich alle 60 Monate überprüfen.

Sichergestellter Lagerring
Sichergestellter Lagerring, © NTSB
 
Die US-Luftfahrtaufsicht FAA setzte auf dem Service Bulletin im Nachgang keine Luftüchtigkeitsanweisung auf. Boeing legte Betreibern zwar den Austausch durch ein neu konstruiertes Lager nahe, untersagte aber nicht explizit eine Installation eines neuen "S00399-1"-Lagers. Das NTSB will jetzt den Schriftverkehr zwischen Boeing und der FAA in der Sache auswerten.

Ex-Ermittler: Fehleranfälligkeit seit 45 Jahren bekannt

Möglicherweise war die Bruchanfälligkeit des Lagerrings S00399-1 schon sehr viel länger bekannt. Der ehemalige NTSB-Ermittler Jeff Guzzetti wies gegenüber der Nachrichtenagentur AP auf ein Service Bulletin von McDonnell Douglas aus dem Jahr 1980 hin.

Der MD-11-Konstrukteur habe das latente Bruchrisiko seinerzeit - anders als Boeing 31 Jahre später - ausdrücklich als Flugsicherheitsrisko eingestuft.

Ob der Absturz im Kern tatsächlich auf das gebrochene Lager zurückgeht, wird erst die weitere Ermittlungsarbeit zeigen. Die 34 Jahre alte MD-11 von UPS hatte zum Zeitpunkt des Unfalls 92.992 Flugstunden in 21.043 Zyklen absolviert. Die FAA hat alle MD-11 in den USA bereits vorsorglich gegroundet.
© aero.de | Abb.: NTSB | 15.01.2026 11:37

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Beitrag vom 16.01.2026 - 20:18 Uhr
A330F hat als neues Flugzeug aber auch keine offenen Bestellungen mehr und wird von Airbus auch nicht weiter verfolgt. Ausnahmegenehmigung daher wohl nicht beabsichtigt.

Airbus konzentriert sich auf die P2F der A330-300 mit ihrer Beteiligung an EFW und entwickelt die A350F.

Zu dem Lagerring: Da weiß ich nicht so sehr ob ich, als ehemalig in die Zulassung Involvierter, weinen, schreien oder nur Ko.... (entschuldigt den Ausdruck) soll. Ein 40 Jahre altes Problem, was damals schon als kritisch eingestuft wurde, verursacht solch eine Katastrophe. Es ist ja nicht eine falsche Einschätzung aufgrund eines neuen Problems sondern eine Umklassifizierung eines bestehenden Problems NACHDEM es dann wie von MD befürchtet, wirklich aufgetreten ist. Es reiht sich nahtlos in die massiven Verfehlungen des Konzerns von der anderen Seite des Atlantiks ein. Und die FAA schaut zu. Da haben mehrere Instanzen ihre Aufgabe nicht erfüllt, mal wieder.

Wenn ein Behördenmitarbeiter das SB auf Schreibtisch bekommen hat und die Umklassifizierung von Kritisch (MD Aussage) zu unkritisch (Boeing Aussage) unterschrieben hat, ohne die frühere Aussage zu prüfen/hinterfragen, dann kann auch er sich mal warm anziehen. Das gibt ein paar Jahr gesiebte Luft. Gerade bei Mehrfacher Todesfolge. Ebenso der Unterschriftenverantwortliche bei Boeing.

UND ZU RECHT, INKL persönlicher Haftung für den entstandenen Schaden.

Das war, wenn sich das so bewahrheitet, kein Fehler sondern schlicht und ergreifend Vorsätzliches Unterlassen. Man klassifiziert solche Aussagen, wie die von MD nicht um, denn die haben sicher mehr Hintergrundwissen und Analysen ihrer Konstruktion zur Verfügung gehabt, als Boeing 30 Jahre später. Und wenn man es macht, hat man besser eine faktenbasierte Erklärung inkl. diverser Materialtests, Nachberechnungen für Schwingungsverhalten/Überlastung usw. usw. dabei.

Das hat mit Verantwortung für Flugsicherheit und Produkthaftung soviel zu tun, wie Mutter Teresa und eine Table Dance Bar auf der Reeeperbahn in Hamburg. nämlich GAR NICHTS.

Ich habe ja, ob meines Alters, schon keine Haare mehr (Erbsache ;-) ) aber wenn ich welche hätte, dann wäre die, nachdem ich gestern den Bericht gelesen habe, heute sicher weg, Da fasst man sich echt an den Kopf.

Ungläubigst, traurig, wütend und Kopfschüttelnd aus Braunschweig

Euer Menschmeier

Was die Haare betrifft, da haben wir ja etwas gemeinsam, denn auch mir läuft es nicht nur kalt den Rücken herunter, wenn ich die Bilder wieder sehe, und erst Recht nach dem was bisher bekannt wurde.
Immerhin habe ich mehr als 5000 h in dem Flieger vorne links gesessen, was für ein Glück ich hatte dass alles gut gegangen ist.
Beitrag vom 16.01.2026 - 18:19 Uhr
#Hinterher ist man immer schlauer!

Im aktuellen Fall war man eher vorher schlauer.

Exakt - und laut NTSB-Interimsbericht gab es auch bereits drei Fälle bei drei verschiedenen MD-11, wo exakt dieses Problem schon zuvor aufgetreten ist. Deshalb hat Boeing sein Service-Bulletin ja überhaupt erst erlassen. Genau genommen ist dieser Crash daher mit Ansage passiert.
Beitrag vom 16.01.2026 - 17:05 Uhr
#Hinterher ist man immer schlauer!

Im aktuellen Fall war man eher vorher schlauer.


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