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Flughafen Louisville, 4. November 2025: UPS 2976 beschleunigt auf 17R zum Start nach Honolulu als das linke Triebwerk abreißt. Die MD-11 ist nicht mehr kontrollierbar, stürzt 20 Sekunden später aus rund 30 Meter Höhe in Gewerbeanlagen.
Alle drei Crewmitglieder und elf Menschen am Boden finden den Tod. Zwei weitere Personen werden schwer verletzt, 21 leicht. Nach Medieninformationen ist einer der Schwerverletzen im Dezember 2025 verstorben.
Die US-Flugunfallbehörde NTSB ist in den Wrackteilen auf einen gebrochenen Lagerring gestoßen. "Der kugelförmige Lagerring, der normalerweise aus einem Stück besteht (...), wurde in einen vorderen und einen hinteren Teil zerbrochen aufgefunden", teilte das NTSB am Mittwoch in einem Update zu den Ermittlungen (PDF) mit.
Der Lagerring, Teilenummer S00399-1, hat einen Durchmesser von nur acht Zentimeter - und war im Februar 2011 Gegenstand eines Service Bulletins von Boeing.
Der Konzern wies Betreiber auf vier gebrochene Lagerringe an drei MD-11 hin, hielt das aber für weitgehend unbedenklich: "Kein Flugsicherheitsthema", vermerkte Boeing laut NTSB in dem Service Bulletin. Betreiber sollten das Lager lediglich alle 60 Monate überprüfen.
Die US-Luftfahrtaufsicht FAA setzte auf dem Service Bulletin im Nachgang keine Luftüchtigkeitsanweisung auf. Boeing legte Betreibern zwar den Austausch durch ein neu konstruiertes Lager nahe, untersagte aber nicht explizit eine Installation eines neuen "S00399-1"-Lagers. Das NTSB will jetzt den Schriftverkehr zwischen Boeing und der FAA in der Sache auswerten.
Ex-Ermittler: Fehleranfälligkeit seit 45 Jahren bekannt
Möglicherweise war die Bruchanfälligkeit des Lagerrings S00399-1 schon sehr viel länger bekannt. Der ehemalige NTSB-Ermittler Jeff Guzzetti wies gegenüber der Nachrichtenagentur AP auf ein Service Bulletin von McDonnell Douglas aus dem Jahr 1980 hin.
Der MD-11-Konstrukteur habe das latente Bruchrisiko seinerzeit - anders als Boeing 31 Jahre später - ausdrücklich als Flugsicherheitsrisko eingestuft.
Ob der Absturz im Kern tatsächlich auf das gebrochene Lager zurückgeht, wird erst die weitere Ermittlungsarbeit zeigen. Die 34 Jahre alte MD-11 von UPS hatte zum Zeitpunkt des Unfalls 92.992 Flugstunden in 21.043 Zyklen absolviert. Die FAA hat alle MD-11 in den USA bereits vorsorglich gegroundet.
© aero.de | Abb.: NTSB | 15.01.2026 11:37








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